Schon zur Halbzeitpause lag Odermatt bei seinem Heim-Riesentorlauf nach einer starken Fahrt in Front, nahm eine halbe Sekunde Vorsprung mit in die Entscheidung. Und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. Der Schweizer hängte den Halbzeit-Zweiten Lucas Pinheiro Braathen aus Brasilien um 49 Hundertstelsekunden ab. Der Franzose Leo Anguenot fuhr zum zweiten Mal in seiner Karriere als Dritter aufs Stockerl (+0,68).
Für Odermatt war es jedenfalls der fünfte Riesentorlauf-Sieg in Adelboden in Serie, der 51. in seiner Karriere und der 29. in seiner Spezialdisziplin. Damit holte sich der 28-Jährige auch das Rote Trikot des Führenden im Riesentorlauf-Weltcup zurück.
"Hier als Letzter mit Grün abschwingen zu dürfen, das ist unglaublich, das gibt es nur hier. Ein fünftes Mal zu gewinnen, ist sehr cool", strahlte Odermatt, der betonte, er habe sich "die ganze Woche lang gut gefühlt. Für mich ist es schwierig, mit den vielen Speed-Rennen, in einer Riesentorlauf-Topform zu bleiben."
"Das ist verrückt. Adelboden hat einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen. Es war mein erstes Rennen, meine ersten Punkte und jetzt mein zweiter Podestplatz, es ist unglaublich", schmunzelte Anguenot.
Einen Nachmittag zum Vergessen erlebte Brennsteiner. Österreichs Top-Riesentorläufer patzte im ersten Durchgang, lag zur Pause nur an 21. Stelle und schied in der Entscheidung mit einem klassischen Innenskifehler aus. Der Salzburger musste so auch das Rote Trikot an Odermatt übergeben. Marco Schwarz, nach dem ersten Durchgang guter Sechster, rutschte nach einer Fahrt auf Messers Schneide und auf dem Weg zur Zwischenbestzeit bei der Zielhang-Einfahrt weg und schied ebenso aus. "Ich bin über den Innenski weggerutscht, dann stehe ich halt daneben. Ich habe probiert zu attackieren, aber davon kann ich mir jetzt auch nichts kaufen", haderte Schwarz, Gewinner des bisher letzten Riesentorlaufs in Alta Badia.
Bester Österreicher war so Weltmeister Raphael Haaser als Achter (+1,78), Punkte machten noch Joshua Sturm als 14. (+2,26) – sein bestes Riesentorlauf-Ergebnis, allerdings auch ein Rückfall um neun Position im zweiten Durchgang, nachdem Sturm zunächst sensationell als Fünfter der beste Österreicher war. Lukas Feurstein landete auf dem 21. Platz (+2,99). "Mit dem Ergebnis kann ich ganz gut leben, es ist etwas vorwärts gegangen, geht in die richtige Richtung", war Haaser durchaus zufrieden.
Die Rennen im Weltcup-Traditionsort stehen unter dem Eindruck der Brandkatastrophe von Crams-Montana. Aufgrund des Trauertages in der Schweiz war am Freitag die offizielle Startnummern-Auslosung bereits abgesagt worden. Vor dem Rennen gab es eine Gedenkminute, und auch im Zielbereich war die Stimmung im Vergleich zu den Vorjahres verhaltener.
Am Sonntag steht auf dem berüchtigten Chuenisbärgli noch ein Slalom auf dem Programm.