ÖFB-Star ermutigt homosexuelle Fußballer, sich zu outen

Viktoria Schnaderbeck im Arsenal-Trikot
Viktoria Schnaderbeck im Arsenal-TrikotImago Images
Viktoria Schnaderbeck machte ihre Liebe zu einer Frau öffentlich. Ein männlicher Kollege wagt es noch nicht, zu seiner Homosexualität zu stehen.

Homosexualität und Fußball – selbst im Jahr 2020 noch ein heikles Theam, vor allem unter Männern. Den jüngsten Beweis lieferte vor wenigen Wochen ein britischer Premier-League-Kicker. In einem offenen Brief erklärte der Spieler, dass er nicht bereit sei, der Öffentlichkeit zu sagen, schwul zu sein. "Die Wahrheit ist, dass ich einfach nicht glaube, dass Fußball schon bereit dafür ist, dass sich ein Spieler outet. Es bräuchte radikale Veränderungen, dass ich mich für diesen Schritt bereit fühlen würde", erklärte er.

"Wollte Lügen ein Ende setzen"

Viktoria Schnaderbeck hat diesen "Schritt" bereits hinter sich. Die ÖFB-Kapitänin in Diensten von Arsenal London machte im Vorjahr ihre Liebe zu einer Frau publik. "Ich habe mich bereit gefühlt und wollte endlich den kleinen Lügen ein Ende setzen", schreibt sie auf ihrer Homepage. "Ich wollte uneingeschränkt und befreit leben und zu 100 Prozent ich selbst sein. Ob es mir schwer gefallen ist? Natürlich. Ich stehe in der Öffentlichkeit und habe eine gewisse Fanbase. Medien und Fans werden darauf reagieren – das war klar. Allerdings nicht, in welchem Ausmaß und in welcher Form."

Die 29-Jährige erklärt, dass die Entscheidung, sich zu outen, lange gereift ist. "Viktoria Schnaderbeck mit 20 oder 25 Jahren hätte noch anders gehandelt. Mit 20 Jahren hätte ich mir selbst eingeredet, dass es nur eine Phase sei. Ich hätte gelogen und vielen Menschen aus meinem Umfeld etwas vorgespielt", schreibt die Fußballerin. "Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, als ich geweint hatte, als mich meine Mama mit der Frage konfrontierte, ob ich eine Freundin hätte. Ich bin in Tränen ausgebrochen, weil ich mich geschämt hatte, ich mich schuldig fühlte und schlichtweg nicht zu meiner Sexualität stehen konnte."

Schnaderbeck weiter: "Mit 25 Jahren hätte ich mir dann schon eingeredet, dass es ausreichend ist, wenn es meine Familie und Freunde wissen, aber mein berufliches und erweitertes Umfeld davon ausgeschlossen bleiben. Heute, mit 29 Jahren, rede ich mir nichts ein, sondern weiß, dass ich auf Frauen stehe. Heute weiß ich, dass sexuelle Orientierung überhaupt nicht wichtig ist. Dass es überhaupt keine Rolle spielt, welches Geschlecht ich liebe. Viel wichtiger ist, dass ich liebe. Ich glaube auch, dass Sexualität vor allem durch die Gesellschaft Wichtigkeit bekommt."

Mit ihren offenen Worten will Schnaderbeck Menschen ermutigen, sich zu befreien und offen zu ihrer Sexualität zu stehen. "Je mehr wir darüber sprechen, desto eher schaffen wir einen Rahmen, wo sich Leute nicht mehr schämen müssen. Einen Rahmen, in dem Tabus zum Thema Sexualität gebrochen und stigmatisierte Denkweisen abgelegt werden."

Hier gelangt ihr zum kompletten Brief von Viktoria Schnaderbeck: 

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