Die jüngste Einigung zwischen den USA und dem Iran hat am Montag für eine kurzfristige Entspannung an den Rohstoffmärkten gesorgt. Der Preis für die wichtige Ölsorte Brent fiel um knapp fünf Prozent auf 83 Dollar pro Fass – der tiefste Stand seit Anfang März. Auch bei der US-Sorte WTI zeigte sich ein ähnlicher Rückgang.
Zuvor war der Ölpreis nach Ausbruch des Konflikts Ende Februar kurzzeitig auf über 120 Dollar geschnellt, weil der Iran die wichtige Straße von Hormus geschlossen hatte. Durch diese Meerenge werden rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports abgewickelt.
Johannes Benigni, Chef der Energieberatungsfirma JBC Vienna, warnt gegenüber "Die Presse" jedoch vor übertriebenem Optimismus: "Zumindest in den nächsten drei Monaten wird es immer wieder zu Störungen im Warenverkehr kommen. Und selbst wenn die Straße von Hormus nun offen bleibt, wird der Preis in einer Spanne zwischen 70 und 80 Dollar bleiben müssen."
Obwohl das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran als Durchbruch gilt, sorgt es nicht automatisch für Stabilität. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte laut Medienberichten an, sich nicht an das Abkommen gebunden zu fühlen. Das erhöht die Unsicherheiten in der Region weiter.
Auch wirtschaftlich wird eine rasche Rückkehr zu alten Preisen bezweifelt. Bis die gestörten Lieferketten wieder funktionieren und Öllager aufgefüllt sind, dürfte es laut Experten noch dauern. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert Analysten, wonach sich die Normalisierung der Märkte wohl noch Monate ziehen wird.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleibt China. Das Land hat aufgrund hoher Reserven zuletzt deutlich weniger Öl gekauft, was den Preis stabilisierte. Sollte China wieder verstärkt einkaufen, könnte das die globale Versorgungslage anspannen und zu höheren Preisen führen. Laut Benigni ist ein nachhaltiger Rückgang des Ölpreises unter 70 Dollar daher erst in einem halben Jahr oder später wahrscheinlich.