Fussball

Österreichs gefährlichster Stürmer kickt in der 7. Liga

Lukas Spirk ist der torgefährlichste Stürmer Österreichs. Warum er in der letzten Liga und nicht bei Rapid spielt, erzählt er im "Heute"-Gespräch.
Erich Elsigan
31.12.2021, 05:52

Salzburg-Star Karim Adeyemi führt mit 14 Toren die Bundesliga-Schützenliste an. Haris Tabakovic von Zweitligist Lustenau netzte bis zur Winterpause sogar 19 Mal. Doch einer übertraf sie alle: Lukas Spirk.

Der Stürmer erzielte nicht weniger als 28 Treffer, im Schnitt exakt zwei pro Partie. Kleiner Schönheitsfehler: Der Torrausch fand in Österreichs letzter Liga (der siebenten) statt. Im Detail: im Burgenland in der 2. Klasse Süd C – für den ASV Gemeinde Tobaj.

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"Ich kann es einordnen"

Und dennoch war Spirk an Zahlen gemessen im Herbst der erfolgreichste Knipser im rot-weiß-roten Erwachsenen-Fußball.

"Das ist schon eine coole Sache, taugt mir", erzählt Spirk im "Heute"-Gespräch. "28 Tore muss man auch in der letzten Klasse erst mal erzielen. Auch hier ist Leistung gefragt. Wie viel das im Vergleich zu anderen Ligen wert ist, lässt sich allerdings schwer einschätzen. Ich kann es für mich jedenfalls richtig einordnen", bleibt der Goalgetter bescheiden.

Dass Spirk Talent hat, zeigte sich bereits in jungen Jahren – und blieb nicht unbemerkt. "Als ich 14 war, kam eine Anfrage von Rapid. Das war schon eine Hausnummer. Der erfolgreichste Klub Österreichs wollte den kleinen Buben aus dem Südburgenland", erinnert sich der heute 28-Jährige. "Ich habe vorgespielt, wurde dann verpflichtet."

Kollege von Hofmann und Schaub

Dass Spirk Talent hat, zeigte sich bereits in jungen Jahren – und blieb nicht unbemerkt. "Als ich 14 war, kam eine Anfrage von Rapid. Das war schon eine Hausnummer. Der erfolgreichste Klub Österreichs wollte den kleinen Buben aus dem Südburgenland", erinnert sich der heute 28-Jährige. "Ich habe vorgespielt, wurde dann verpflichtet."

Seine Kollegen hießen unter anderen Maximilian Hofmann, Louis Schaub, Raphael Holzhauser und Peter Zulj. "Kontakt habe ich leider zu niemandem mehr. Aber ich freue mich, wenn zum Beispiel Schaub im Länderspiel gegen Israel zwei Tore macht."

Für Spirk endete das Abenteuer Rapid nach zwei Saisonen wieder – auch aus freien Stücken, wie er ehrlich berichtet. "Ich war leider noch nicht bereit für diesen Schritt. Ich war eineinhalb Stunden von daheim weg, kannte Wien davor nur von Schul-Ausflügen, bin zuvor nie alleine mit der U-Bahn gefahren. Sightseeing und dort leben sind halt zwei Paar Schuhe. Die Großstadt war nichts für mich. Ich habe mich nicht wohl gefühlt, ich war zu sensibel."

"Hätte vielleicht für Bundesliga gereicht"

Dabei hätte es sportlich gepasst. "Fußballerisch konnte ich schon mithalten. Es ist im Nachhinein schwer zu sagen, was alles möglich gewesen wäre. Vielleicht hätte es sogar für die Bundesliga gereicht."

Spirk ging zurück ins Burgenland, erlernte einen Beruf, kickte nebenbei für Neuberg, Güssing, Stinatz, Oberwart, Stegersbach und Eberau. Seit 2019 stürmt er wieder daheim in Tobaj. Das Ziel: Aufstieg. "Zwei Mal ist die Liga wegen Corona abgebrochen worden, wir waren jeweils Erster. Auch heuer sind wir Herbstmeister."

Fragt man Spirk nach der aktuell besten Offensive im Land, sagt er Salzburg. "Es sind zwar keine Österreicher, aber Adeyemi und Okafor haben schon sehr viel Qualität. Von den ÖFB-Spielern finde ich Kara richtig stark. Er hatte zwar ein Zeit lang Ladehemmung, aber sein Werdegang ist beachtlich. Er kommt aus der Regionalliga, jetzt steht er vor einem Wechsel ins Ausland."

Sich selbst beschreibt Spirk als "Instinkt-Stürmer. Ich habe die Gabe, oft richtig zu stehen. Ich laufe gerne, kämpfe aufopferungsvoll, aber der Ball kommt meistens zu mir."

"Bin im besten Fußballer-Alter"

Bleibt die Frage: Ist die Gemeinde Tobaj die Karriere-Endstation? "Ich werde im Februar 29, bin also eigentlich im besten Fußballer-Alter. Ich bin auch fit und verletzungsfrei. Ich würde es mir sicher zutrauen, nochmal in einer höheren Liga zu spielen. Aber ich habe eigentlich lange alles abgeblockt. Bald hieß es: 'Der spielt nur noch bei seinem Heimatverein, will nicht mehr wechseln.' Es ist trotzdem schmeichelhaft, wenn Angebote kommen. Und wenn sie interessant sind, höre ich sie mir auch an. Da müsste aber vieles passen. Ich spiele immer mit offenen Karten."

Es scheint also, als dürfte sich Tobaj noch lange über Tore des Lokalmatadors freuen. Ab kommender Saison womöglich in der vorletzten statt letzten Liga.

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