Die 23-jährige Veronika Aigner holte bei den Sehbehinderten Gold in der Abfahrt, der Kombination und dem Riesentorlauf, dazu kommt Silber im Super-G. Bruder Johannes Aigner (20) fuhr ebenso in der Klasse der Sehbehinderten zu Paralympics-Gold in der Abfahrt, im Super-G und im Riesentorlauf, hinzu kommt Bronze in der Kombination – Erfolge, von denen die ÖSV-Stars bei den Alpinen nur träumen können.
Die Aigner-Geschwister gehen aufgrund ihrer Seheinschränkung mit einem Guide an den Start. Dieser fährt dicht vor den ÖSV-Assen voraus, gibt per Funk Anweisungen. Bei beiden Aigner-Geschwistern war von Geburt an Grauer Star diagnostiziert worden. "Wir sind vom Sport trotz Behinderung von klein auf gefördert worden. Der Erfolg kommt nicht von irgendwo, man hat einen wesentlichen Vorteil, wenn man das von klein auf macht", so Johannes Aigner in der "ZIB".
"Wir können alle Disziplinen recht gut, wissen, wann wir was wo abrufen müssen und sind gute Allrounder", schmunzelte Veronika Aigner dann zu ihrem Erfolgsgeheimnis, enthüllte aber, künftig auf den Slalom verzichten zu wollen. In den Slalom-Bewerben können die beiden Aigner-Geschwister noch weitere Medaillen nachlegen.
Doch wie funktioniert es, hinter einem Guide mit hoher Geschwindigkeit nachzufahren und ein eingeschränktes Sehvermögen zu haben? Einerseits helfe das bunte Leibchen des Guides, andererseits auf Höhe des Gesäßes spezielle Designs des Rennanzugs. Die kann Johannes Aigner erkennen. Hinzu kommt die Funk-Verbindung.
Veronika Aigner musste auf ihre kurzfristig verletzte Schwester Elisabeth Aigner als Guide verzichten, startete mit der 16-jährigen Lilly Sammer. "Am Anfang war ich nicht sehr optimistisch, weil wir nicht viel Training hatten. Trotzdem hat es gut gepasst von Anfang an. Ich bin mit wenig Druck hineingegangen, habe die bestmöglichen Chancen ausgeschöpft. Lilly ist eine kleine Pistensau, sie kann die Ski gehen lassen. Sie ist bei allem dabei, blüht richtig auf", schilderte die 23-Jährige. Die Technik-Bewerbe fuhr Aigner dann mit Eric Digruber. "Den kenne ich, seit ich zehn Jahre alt bin."
Problematischer ist eher die Finanzierung. Während Ski-Stars bei den Alpinen tausende Euro an Preisgeld erhalten, liegt dieses im Para-Sport eher im dreistelligen Bereich. "Das Bundesheer ist durch die Anstellung sehr hilfreich, da kann man Sport und Beruf kombinieren. Sonst wäre der Sport eh nicht möglich, weil wir auf einem Niveau sind, wo man viel trainieren muss. Das Niveau hat sich sehr gesteigert", erklärte Johannes Aigner.
"Bei mir wird es morgen mein letzter Tanz im Slalom sein, ich werde alles genießen, schauen, dass ich ins Ziel komme und zufrieden bin mit dem Lauf. Wir haben schon ein paar Medaillen gesammelt. Da geht man mit wenig Druck hinein. Und wenn ich wenig Druck habe, kann ich eine gute Performance abliefern. Vielleicht werde ich ein Tränchen vergießen dann", so Veronika Aigner. Die Chance, als Geschwisterpaar mit zehn Paralympics-Medaillen nach Hause zu fahren, ist riesengroß.