Neuneinhalb Jahre warteten Österreichs Ski-Läuferinnen auf einen Weltcupsieg im Riesentorlauf. Diese lange Durststrecke ist am Samstag zu Ende gegangen. Julia Scheib holte sich sensationell ihren ersten Weltcupsieg, raste auf dem Rettenbachferner in Sölden der Weltspitze davon. Die Steirerin hatte schon nach einem Traumlauf im ersten Durchgang über eine Sekunde Vorsprung. Am Ende waren es 58 Hundertstel auf die US-Amerikanerin Paula Moltzan und 1,11 Sekunden auf die Schweizerin Lara Gut-Behrami auf Rang drei.
"Dass die Julia mitfahren kann, das haben wir gewusst. Aber dass es so ausgeht, ist umso schöner", strahlte auch der neue ÖSV-Riesentorlauf-Trainer Martin Sprenger nach dem Sieg gleich im ersten Saisonrennen – und dem ersten unter seiner Verantwortung. "Wir haben ihr gesagt, sie soll das machen, was sie kann, was sie im Training macht und dass sie fokussiert bleibt", erzählte der ÖSV-Trainer den Plan für den entscheidenden zweiten Durchgang.
Für Sprenger selbst war es als Verantwortlicher der Frauen-Riesentorlaufgruppe ein perfekter Einstand. Allerdings hob der ÖSV-Betreuer auch gleich mahnend den Finger. "Schauen wir, wo der Rest ist. Wenn die Julia ausfällt, dann heißt es: Debakel. So ehrlich müssen wir auch sein", meinte Sprenger. Tatsächlich konnten die weiteren ÖSV-Läuferinnen nicht mithalten. Als zweitbeste heimische Technikerin landete Stephanie Brunner mit 3,45 Sekunden Rückstand auf dem 23. Platz. Nina Astner wurde 24. (+3,54) und Katharina Liensberger gar nur 27. (+3,79).
"Der Martin hat tiefgestapelt, aber ich glaube, dass er den Läuferinnen viel Ruhe und Selbstvertrauen gibt. Genau das, was sie gebraucht haben, um an ihren Stärken zu arbeiten", analysierte auch "ORF"-Expertin Niki Hosp die Arbeit des Tirolers. Und auch die Sprenger-Selbstkritik lobte Hosp, die 2002 selbst ihr erstes Weltcuprennen in Sölden gewonnen hatte: "Er hat recht damit, da können wir wieder nicht so zufrieden sein. Aber es braucht ein Zugpferd. Wichtig ist, dass sich die anderen im Rückenwind anhängen."