Ohne Strache: FPÖ ehrt jüdischen Rotarmisten

Ursula Stenzel musste den Gedenkabend leiten, nachdem Strache und Kneissl kurzfristig abgesagt hatten.
Ursula Stenzel musste den Gedenkabend leiten, nachdem Strache und Kneissl kurzfristig abgesagt hatten.Bild: Sabine Hertel
Die FPÖ ehrte am Donnerstag bei einer Gala die Taten eines jüdischen Rotarmisten, Strache und Kneissl ließen sich aber kurzfristig entschuldigen.

Am Donnerstag veranstaltete das FPÖ-Bildungsinstitut ein Symposium "Sobibor – die Unzerbrechlichkeit der Zerbrechlichen", bei dem auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Außenministerin Karin Kneissl ursprünglich ihre Teilnahme zugesichert hatten. Das FPÖ-Bildungsinstitut hatte zusammen mit der Alexander-Pechersky-Foundation zu dem Termin geladen, bei dem der Aufstand im Vernichtungslager-Sobibor thematisiert wurde. Jener Aufstand, den der jüdische Offizier der Roten Armee, Alexander Pechersky, angeführt hatte, war übrigens der einzig erfolgreiche Aufstand in einem Konzentrationslager während des gesamten Holocausts.

Stenzel leitet Abend alleine

Eigentlich hätte der Abend von Außenministerin Kneissl und Vizekanzler Strache begleitet werden sollen, die beide an dem Abend auch Reden hätten halten sollen. Nachdem aber sowohl Strache als auch Kneissl ihre Teilnahme am Abend kurzfristig abmeldeten, leitete Moderatorin Ursula Stenzel den Abend ungeplanterweise solo. Der "Standard" schreibt, dass auch weitere "blaue Parteigänger" auf einen Besuch der Veranstaltung verzichtet hatten, und sieht in dem Fernbleiben Straches und Kneissls eine Bestätigung dafür, dass die Veranstaltung einen wunden Punkt in der Geschichte der Freiheitlichen betreffe.

Der historische Spagat der FPÖ

Der "Standard" sieht in der geringen Anzahl von FPÖ-Funktionären, die an dem Abend teilgenommen hatten, ein klares Anzeichen für einen innerparteilichen Konflikt bei der FP zu diesem Thema. Die FPÖ sei ja immerhin vom SS-Brigadeführer und späteren Parteivorsitzenden Anton Reinthaller mitbegründet worden, außerdem würden FP-Politiker auch an Veteranentreffen der SS teilnehmen. Ein weiteres Indiz für diese Interpretation könne in der Tatsache gesehen werden, dass an dem Abend die eigene Parteigeschichte auch vom Redner und FPÖ-Politiker Klaus Nittmann nicht erwähnt worden war, die "geschichtliche Verantwortung Österreichs" an den Massenmorden der Nazis fand dabei nur eine Erwähnung am Rande, berichtet der "Standard" in weiterer Folge. Nittmann soll sich in seiner Rede hingegen auf die "tapferen Männer" rund um den russischen Offizier Pechersky konzentriert haben, wohl auch um den russischen Publikum entgegenzukommen. Einen Seitenhieb in Richtung des Islam ließ sich Nittmann nicht nehmen: Das erneute Aufkommen von Antisemitismus in Österreich, dass seiner Meinung nach durch die Masseneinwanderung antisemitischer Muslime bedingt ist, beunruhige ihn sehr stark.

Botschafter Ljubinski lobt Heldentaten der Sowjets

Für eine FPÖ nahe Veranstaltung ungewöhnliche Worte fand auch der russische Botschafter Ljubinski. Dieser lobte in seiner Rede die "Heldentaten des multinationalem sowjetischen Volkes, das Europa und die ganze Welt gerettet hätte", was seltsam anmuten mag, wenn man bedenkt dass die politische Karriere des 22-jährigen Heinz Christian Strache mit der Forderung nach der Schleifung des "Heldendenkmals der Roten Armee" ihren Anfang genommen hatte. Damals hatte Strache noch argumentiert, dass es sich bei dem Denkmal am Wiener Schwarzenbergplatz um ein "mit allen ideologischen Symbolen versehenes Triumphmal eines ideologischen Eroberers" handeln würde.

(red)

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