Oktoberfest: Original und Austro-Klone im Vergleich

Geschunkelt wird überall, doch die Größenordnung unterscheidet sich enorm. Wir haben das große Bierfest-Original besucht und ziehen den Vergleich zu den heimischen Versionen.

Wenn man das Münchner Oktoberfest auf der Theresienwiese betritt, schlagen einem neben dem Geruch von gebrannten Mandeln (und zu späterer Stunde Erbrochenem) vor allem endlos wirkende Menschenmassen entgegen.

Einheimische in Jeans, Touristen in billigen Trachtenkostümen aus Polyester, Traditionalisten mit teuren, volkstümlichen Outfits. Laut Schätzungen der Veranstalter lockte das größte Volksfest der Welt in diesem Jahr 6,3 Millionen Besucher aus 45 Nationen auf die "Wiesn".

Die Nachahmer

Im Fahrwasser der Münchner Schunkel-Orgie bei viel zu teurem Bier haben sich in vielen anderen Ländern Nachahmer gefunden, die den Gerstensaft ebenfalls für ein Vielfaches seines eigentlichen Preises unter die Leute bringen wollen. Natürlich darf da auch Österreich nicht fehlen und hat im Raum Wien gleich zwei Klone aus dem Boden gestampft: das Wiener Wiesn-Fest im Prater und die Brunner Wiesn in Niederösterreich.

Die Austro-Wiesn wirken wie ein deutlich kleinerer, etwas preiswerterer Nachbau des Originals. Das beginnt schon mit der Fläche. Die Wiener Wiesn umfasst 18.000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche, in Brunn am Gebirge kommt man immerhin auf 30.000 Quadratmeter. Alles Peanuts. Zum Vergleich: mehr als 30 Hektar der Theresienwiese werden für das Oktoberfest genutzt.

Und wie – die 16 großen Festzelte fassen bis zu 10.000 Menschen und platzen meist schon kurz nach der Eröffnung aus allen Nähten, dazwischen gefühlt alle zehn Meter Verkaufsstände mit gebrannten Mandeln, Brezen, Fleisch, Zuckerwatte, auf Ewigkeit in Plastik eingeschweißten Lebkuchenherzen oder auch Cocktails.

Der mobile Prater

Dazu kommen Dutzende Fahrgeschäfte. Während sich die Wiener Wiesn an den Rand des Wurstelpraters schmiegt, wird auf der Theresienwiese Jahr für Jahr ein eigener Vergnügungspark errichtet. Achterbahnen, Geisterbahnen, Attraktionen für Kinder, Karusselle und Falltürme sorgen für Kreischen und zu fortgeschrittener Stunde, wenn vor den Bierzelten nur noch die Securities gerade stehen können, Turbulenzen in der Magengegend.

In Wien kann der Prater damit eigentlich ganz gut mithalten. Achterbahnen und Geisterbahnen gibt es hier genauso wie Autodrom mit Airbrush-verzierten Wänden, deren Motive geradezu nach Urheberrechtsverletzung schreien. Auf der Brunner Wiesn werden zudem einige kleinere Stände aufgestellt. Die Austro-Versionen sind in jedem Fall günstiger als das Original, wo eine zweieinhalbminütige Fahrt mit dem Kettenkarussell in 90 Metern Höhe pro Person acht Euro kostet.

Günstiger und gemütlicher

Das Maß aller Dinge ist hier wie da die Maß Bier. In Österreich kostete sie heuer mit knapp über 10 Euro etwas weniger als am Oktoberfest, wo die Obergrenze in diesem Jahr bei 11,80 Euro lag.

Wie teuer das Bier nun ist, wird aber sowieso bedeutungslos, wenn man tanzend auf den Bänken springt und die Gassenhauer von "Wahnsinn (Hölle, Hölle, Hölle)" bis zu "Marmor, Stein und Eisen bricht" mitgrölt. Das funktioniert überall gleich gut, egal ob in den gigantischen Münchner Zelten, die kaum mehr etwas mit Zelten zu tun haben und bis zu drei Monate lang aufgebaut werden, oder den etwas kleineren Austro-Versionen.

Einen ganz grundsätzlichen Unterschied gibt es aber doch. Die Zelte auf Wiener und Brunner Wiesn werden abends zu geschlossenen Veranstaltungen. Anders als in München müssen dann alle für ein Ticket zum Schunkeln bei Live-Musik bezahlen. Ist zwar mitunter teuer, aber auch stressfreier als das verzweifelte Wettrennen um die begehrten Sitzplätze beim bayrischen Original. Wiesn auf Österreichisch eben.

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