Life

Opfer eines Brandes baut Haus mit 50 Ausgängen

Nur knapp dem großen Feuer von Chicago entkommen, fühlte sich Charles Lapham nicht mal in einem Haus mit 24 Haustüren sicher.
Heute Redaktion
13.09.2021, 20:32

Vom 8. bis 10. Oktober 1871 wütete der große Brand von Chicago. Er forderte 200 bis 300 Menschenleben und zerstörte große Teile der Innenstadt. Einer, der die Tragödie überlebt hatte, war Charles Lapham. Der Schuhverkäufer war in einem brennenden Gebäude eingeschlossen und konnte sich nur mit viel Glück retten.

Angst vor dem Feuer

Das Trauma des Feuers verfolgte Lapham in den kommenden Jahren. In Thomasville, Georgia, wollte Lapham neu anfangen und ließ sich 1884 ein Haus bauen. Es hat ein sechseckiges Esszimmer und für diese Zeit moderne Annehmlichkeiten wie Gasbeleuchtung, fließend heißes und kaltes Wasser und eine Toilette im Haus.

Außergewöhnlich am Lapham-Patterson-House sind aber die vielen Türen, die der Hausherr wohl aus Angst vor Feuer und mangelnden Fluchtmöglichkeiten einbauen ließ: Es gibt 24 Haustüren, die aus den 19 Zimmern der Villa führen. Zusammen mit den tief liegenden Fenstern sind es insgesamt 50 mögliche Ausgänge.

Abergläubisch?

Das ist aber nicht alles: Am Ortgang, das ist der seitliche Abschluss der Dachfläche am senkrecht stehenden Giebel, hat es einen Ausschnitt, der aussieht wie ein gehörntes Tier. Dieser Ausschnitt wirft einen Schatten an das Fenster eines Raumes im dritten Stock.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Laut Historikern soll dieses gehörnte Tier eine Hommage an "Mrs. O'Leary's cow" sein – die Kuh, die angeblich eine Lampe zu Fall brachte und damit den großen Brand von Chicago auslöste. Man vermutet, dass Lapham mit diesem Symbol zeigen wollte, dass er auf alles vorbereitet ist.

Kein Glück im neuen Haus

Trotz des neuen Hauses sollte Charles kein Glück haben: Er und seine Frau Emma hatten fünf Kinder, Tochter Lydia (genannt Dollie) starb aber bereits im Kindesalter. Zwei weitere seiner Kinder wurden wegen geistiger Behinderungen in Heimen untergebracht. Seine Ehe mit Emma ging in die Brüche, sein Schuhgeschäft pleite.

Emma zog mit den beiden verbliebenen Söhnen nach Arizona, ohne sich von Charles scheiden zu lassen. Dort starb sie 1917 – an den Folgen eines Brandes. 1894 verkaufte Lapham das Haus an James Larmon – doch auch dieser verstarb kurz darauf bei einer Geschäftsreise. Seine Frau verkaufte das Haus an die Familie Patterson, die ihm bis heute seinen Doppelnamen gibt.

Die Pattersons lebten bis 1970 im Haus, seit 1975 ist es denkmalgeschützt. Heute kann es besichtigt werden. (mst)