Steger kritisierte in einem Bericht der "Salzburger Nachrichten" die Berichterstattung des ORF und drohte mit Einschnitten. Armin Wolf wies den Politiker nun in die Schranken.
In einem Interview drohte der FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger, Auslands-Korrespondenten des ORF zu entlassen, weil diese etwa über die Ungarn-Wahl "nicht korrekt" berichtet hätten. Laut Steger sei die Berichterstattung durch den Ungarn-Korrespondenten Ernst Gelegs "einseitig" abgelaufen.
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz verteidigte daraufhin prompt seine Mitarbeiter und kündigte via Twitter zudem an die ORF-Büros im Ausland noch erweitern zu wollen: "16 Korrespondentenbüros des ORF sind unverzichtbare vom Publikum höchst geschätzte Säulen der internationalen Berichterstattung in TV, Radio und Online. Bis 2020 kommen noch zwei weitere Standorte dazu." Außerdem erklärte Wrabetz, dass der Vertrag mit dem von Steger kritisierten Gelegs verlängert wurde: "Freue mich mitzuteilen, dass ich den Entsendungsvertrag von Ernst Gelegs als Korrespondent in Budapest nach der ausgezeichneten Berichterstattung zur ungarischen Wahl bis 2021 verlängert habe."
Armin Wolf teilt aus
Auch "ZiB 2"-Anchor Armin Wolf meldete sich zu Wort. In seinem Blog schreibt er auf Stegers Drohung bezugnehmend: "Nun haben Stiftungsräte vielfältige Aufgaben, wie man im ORF-Gesetz nachlesen kann – die Verwarnung oder Entlassung von RedakteurInnen gehört allerdings ebenso wenig dazu wie die Streichung von Korrespondentenstellen, weil die Berichterstattung über befreundete Parteien nicht gefällt."
Wolf erklärt weiter, dass die unabhängige KommAustria angerufen werden kann, sollte jemand eine Verletzung der Objektivität in der ORF-Berichterstattung orten. Dass allerdings ausgerechnet Steger Objektivität gut beurteilen könne, bezweifelt der Journalist.
So schreibt Wolf, "dass ein langjähriger Politiker, der von seiner Partei in den Stiftungsrat entsandt wurde, eher keine so geeignete Instanz ist, um über die Objektivität von Journalismus zu urteilen, ist eigentlich naheliegend. Dass ein Partei-Stiftungsrat aber auch noch gleich mit der Entlassung von Redakteuren oder dem Streichen von Stellen droht, wenn ihm die Berichterstattung nicht passt, ist in der langen Geschichte des ORF allerdings einmalig."
Damit gehen die Querelen zwischen FPÖ und dem ORF in eine nächste Runde. Bleibt abzuwarten, ob Steger den Ball nochmals zurückspielen wird.
(red)