FFP2-Pflicht gefährdet Produktion von Lebensmitteln

Eine Kundin trägt beim Einkaufen einen Mund-Nasen-Schutz.
Eine Kundin trägt beim Einkaufen einen Mund-Nasen-Schutz.istock/ Symbolbild
Sparten-Obleute warnen: Überzogene FFP2-Maskenpflicht führt unweigerlich zu Produktionsausfällen in allen Branchen, auch bei Lebensmitteln.

"Aus den Analysen der AGES wissen wir, wo aktuell die Ansteckungen passieren: Zu 85 Prozent in den Privathaushalten und in der Freizeit. Das können wir auch deshalb bestätigen, weil wir das Infektionsgeschehen bestens im Blick haben: Viele Unternehmen haben eigene Teststraßen eingerichtet oder lassen ihre Mitarbeiter seit vielen Monaten regelmäßig testen", sagt Siegfried Menz, Obmann der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Clusterbildungen seien dabei nicht zu erkennen – dank der Tests, umfassender Präventivkonzepte, Arbeit in getrennten Teams und dank zusätzlicher Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen. "Die Mitarbeiter sind an den Arbeitsplätzen deutlich besser geschützt als zu Hause. Umso unverständlicher ist für uns die massive Verschärfung der Covid-19-Regelungen, die nun die Betriebe und insbesondere den produzierenden Bereich treffen soll", betonen Industrie-Obmann Menz und Renate-Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ, unisono.

Inakzeptabler Maskentanz

Mit den geplanten Verschärfungen sind rund um Ostern in Niederösterreich, Wien und dem Burgenland durchgängig in allen Innenräumen verpflichtend FFP2-Masken zu tragen. "Das kann und darf nicht zu einer Dauereinrichtung werden. Die entscheidende Formulierung war: FFP2-Masken dort, wo es sinnvoll und machbar ist", betont Scheichelbauer-Schuster. Die Vorschrift mache die vorgeschriebene Maskenpause für die Betriebe zur fast unlösbaren organisatorischen Herausforderung. Denn selbst im Freien soll bei Menschenansammlungen eine FFP2-Masken-Pflicht gelten.

"Wo sollen denn die Mitarbeiter künftig ihre Maskenpause machen, wenn nicht im Freien? Und wie soll das ohne Ansammlungen funktionieren, die dann wieder die Maskenpflicht auslösen würden?", fragt sich Scheichelbauer-Schuster. "Damit und mit verpflichtenden wöchentlichen Testnachweisen in allen Betrieben werden jene Wirtschaftsbereiche entscheidend gehemmt, die jetzt noch gut funktionieren, die schwache Konjunktur stützen und Arbeitsplätze sichern. Damit verteuert sich die Produktion, das schadet der Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung im Inland und riskiert Lieferverzögerungen."

Risiko für Lebensmittelproduktion

Industrie-Obmann Menz warnt davor, dass mit der Vorschrift, durchgängig in Innenräumen der Produktion FFP2-Masken zu tragen, in vielen Betrieben quer durch alle Branchen der Industrie unweigerlich die Produktion gedrosselt werden müsste. Das trifft auch auf den für die Versorgung der Bevölkerung kritischen Bereich der Lebensmittelproduktion zu, wo aufwändige Schutzkleidung vorgeschrieben ist.

Derzeit ist für jene Mitarbeiter, die einen Mund-Nasen-Schutz tragen, alle drei Stunden eine Maskenpause von 10 Minuten vorgesehen. Mit dem FFP2-Schutz droht eine massive Verkürzung dieser Zeitintervalle und auch die Industriemitarbeiter könnten ihre Maskenpause nur noch im Freien erledigen. Das würde aufgrund der Hygienevorschriften jedes Mal einen Wechsel von der Schutz- in die Alltagskleidung (noch mit Maske) und wieder retour bedingen – inklusive Desinfektion bzw. Passieren der Hygieneschleuse. Ein mühsames und zeitaufwändiges Prozedere.

An ein Aufrechterhalten der bestehenden Produktion wäre mit solch einem Maskentanz nicht zu denken. "Wir würden um 20 Prozent mehr Fachpersonal benötigen. Da dieses Personal kurzfristig nicht zu kriegen ist, wären Produktionskürzungen um ein Fünftel unumgänglich", warnt Menz. "Auch im Gewerbe und Handwerk gibt es zahlreiche Branchen, für die diese Vorschriften kaum umsetzbar sind und die vor den gleichen Problemen und Kostenbelastungen stehen", ergänzt Scheichelbauer-Schuster.

Die Obleute appellieren deshalb, bei den notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie strikt faktenbasiert vorzugehen und dort anzusetzen, wo das Infektionsgeschehen zu finden ist: "Und das ist nachweislich nicht in unseren Produktionsbetrieben", betonen Menz und Scheichelbauer-Schuster gemeinsam.

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