Oxenfree im Test: Teenie-Horror mit Verstand

Der Indie-Titel überzeugt mit einem innovativen Dialogsystem und einer furchterregender Soundkulisse.
Oxenfree ist ein beeindruckendes kleines Spiel. Nicht nur gelingt es dem Indie-Titel von Night School Studio, mit reduzierter Optik und (fast) ohne Jumpscares eine bedrückende Atmosphäre zu schaffen: Trotz der Teenie-Horror-Prämisse sind die Dialoge glaubhaft – und das ohne sichtbare Mimik der Protagonisten.

Der erste Spieldurchgang ist eigentlich erst der Anfang. Oxenfree ist mit ungefähr fünf Stunden eine recht kurze Erfahrung, lädt dank eines besonderen Kniffs aber zu mindestens zwei Durchläufen ein.

Die Handlung um von Geistern besessene Teenager, die eigentliche eine Partynacht auf einer Insel erleben wollten, und alternative Realitäten fesselt sofort. Doch die Bedeutung vieler Details und Entscheidungen, die im Spielverlauf ganz ohne dementsprechende Hinweise (à la Telltale) getroffen werden, erschließen sich erst später.

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Einfach, aber fesselnd

Das Mysterium um Edwards Island und seine stillgelegten Militäranlage kann sehr einfach entschlüsselt werden, denn Oxenfree bietet keine Rätsel oder dergleichen. Stattdessen setzt das Spiel auf ein ausgeklügeltes Dialogsystem, bei dem man als Protagonistin Alex in Echtzeit die anderen Charaktere unterbrechen oder einfach reden lassen kann. Die exzellenten (englischen) Sprecher verleihen den Charakteren glaubhafte Persönlichkeitszüge.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Durch den Einsatz eines Handfunkgeräts kann Alex seltsame Signale hören. Einige davon sind Lieder, andere mysteriöse Stimmen. An manchem Stellen im Spiel muss eine genaue Frequenz eingestellt werden, um weiterzukommen. Richtige Rätsel sind das aber nie. Nicht die herausgezoomte Optik sorgt für eine unheimliche Atmosphäre, sondern der Sound. Die Tracks von Andrew Rohrmann alias „scntfc" sorgen mit atmosphärischen Geräuschen für eine beklemmende Stimmung, die unter die Haut geht.

Kleine Makel

Technisch ist die getestete Nintendo Switch-Version nicht ganz sauber. Über weite Strecken läuft das Spiel flüssig, doch immer wieder kam es zu kleinen Rucklern. Auch die Ladezeiten lassen zu wünschen übrig. Der Übergang von einem Areal der Insel zum nächsten dauerte regelmäßig bis zu einer halben Minute. Im Gegenzug werden aber neben der klassischen Controller-Steuerung auch Touch-Gesten unterstützt.



Fazit: Subtiler Horror

Oxenfree kombiniert eine clevere Handlung mit der beeindruckenden Dialogmechanik, um einen tiefen und bleibenden Eindruck zu hinterlassen, der zu mindestens einem zweiten Durchgang einlädt. Vor allem die unterschwelligen Entscheidungen, die das Ende maßgeblich beeinflussen, sind wesentlich interessanter und weniger plakativ wie bei anderen narrativen Erlebnissen.

(lu)

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