Nach einem heftigen Erdbeben vor der Küste Indonesiens ist am Mittwoch vorübergehend für den gesamten Indischen Ozean Tsunami-Alarm ausgelöst worden. Der Erdstoß der Stärke 8,6 ereignete sich etwa 430 Kilometer vor der Westküste Sumatras in 23 Kilometern Tiefe.
Nach zwei heftigen Erdbeben vor der Küste Indonesiens war am Mittwoch vorübergehend für den gesamten Indischen Ozean Tsunami-Alarm ausgelöst worden. Der Erdstoß der Stärke 8,6 ereignete sich etwa 430 Kilometer vor der Westküste Sumatras in 23 Kilometern Tiefe. In der Nacht auf Donnerstag gab es zahlreiche Nachbeben.
Viele Bewohner der Küstengebiete im Indischen Ozean haben die Nacht auf Donnerstag im Freien verbracht - aus Angst vor weiteren Beben. Mindestens 28 weitere Erdstöße registrierte die US-Geologiebehörde USGS. Die meisten Nachbeben hatten eine Stärke von mehr als 5 auf der Richterskala.
Beim ersten schweren Beben am Mittwoch brach Panik aus, viele erinnerten an den schrecklichen Tsunami vom Dezember 2004, der 220.000 Menschen in den Tod riss. Das US-Erdbebenzentrum USGS gab die Stärke des Bebens zunächst mit 8,9 an, später korrigierte sie den Wert jedoch auf 8,6. "Erdbeben dieser Stärke haben das Potenzial, verheerende Tsunamis auszulösen", sagten die US-Experten und gaben wie ihre indonesischen Kollegen eine Warnung für den gesamten Indischen Ozean aus. Wenige Stunden hoben sie den Alarm ebenso wie etwa Sri Lanka und Indien aber wieder auf.
Erde bebte fünf Minuten lang
Das Zentrum des Bebens lag südwestlich von Banda Aceh, der Hauptstadt der auf Sumatra gelegenen Provinz Aceh. In der Stadt war das Beben um 15.38 Uhr Ortszeit (10.38 Uhr MESZ) fünf Minuten lang zu spüren. "Menschen versuchten zu fliehen, andere beteten, und unter Schulkindern brach Panik aus, als die Lehrer sie aus den Gebäuden lotsen wollten."
Befeuert wurde die Angst durch ein schweres Nachbeben der Stärke 8,2 sowie dadurch, dass sich an verschiedenen Küstenstreifen das Wasser zurückzog - ein typisches Anzeichen für einen bevorstehenden Tsunami. Vor Aceh hatte es im Dezember 2004 ein Erdbeben der Stärke 9,1 gegeben. Dieses löste einen Tsunami aus, der an den Küsten des Indischen Ozeans rund 220.000 Menschen in den Tod riss. Am schlimmsten betroffen war Indonesien mit 168.000 Toten.
80 Zentimeter hoher "Mini-Tsunami"
Diesmal erreichten nur kleinere Flutwellen die indonesische Küste. "Unsere Bojen und Gezeitenanzeiger haben Mini-Tsunamis registriert", sagte ein Sprecher der indonesischen Erdbebenwarte. Es habe mindestens drei solcher Flutwellen gegeben. Die höchste sei in Meulaboh in West-Aceh registriert worden, "sie war 80 Zentimeter hoch". Bereits zuvor versicherte Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, es gebe keine Tsunami-Gefahr.
Auch in Thailand und Südindien war das Beben bis tief ins Landesinnere zu spüren. In Thailand riefen die Behörden die Menschen in Küstenregionen auf, ihre Häuser zu verlassen und höhergelegene Orte aufzusuchen. An der Küste wurde eine zehn Zentimeter hohe Flutwelle registriert. Auf den Malediven statteten Hotels ihre Gäste mit Rettungswesten aus und brachten sie in Sicherheit.
Warnsystem funkionierte "super"
Eine Bewährungsprobe war das Erdbeben für das Tsunami-Warnsystem vor Indonesien. "Das System hat super funktioniert", sagte Winfried Hanka, Experte des Geoforschungszentrums Potsdam. Warnmeldungen seien nach wenigen Minuten herausgegeben worden.
Den Botschaften in Jakarta, Kuala Lumpur, Bangkok und New Delhi sei es gelungen mit dem Großteil jener Österreicher in Kontakt zu treten, die ständig in der Region leben und bei den Auslandsvertretungen registriert sind, so der Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal. Es gebe keine Informationen, dass Österreicher zu Schaden gekommen seien, man habe aber etwa an die 50 Anrufe besorgter Angehöriger erhalten.
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Die schwersten Beben seit 1900:
- Stärke 9,5 in Chile, Mai 1960, 1.655 Tote
- Stärke 9,2 in Alaska (USA), März 1964, 125 Tote
- Stärke 9,1 auf Sumatra (Indonesien), Dezember 2004, mit Tsunami etwa 230.000 Tote
- Stärke 9,0 vor der Ostküste Japans, März 2011, mit Tsunami rund 15.800 Tote
- Stärke 9,0 in Kamtschatka (Russland), November 1952, keine Toten
- Stärke 8,8 in Chile, Februar 2010, 524 Tote
- Stärke 8,8 in Kolumbien und Ecuador, Jänner 1906, 1.000 Tote
- Stärke 8,7 in Alaska (USA), Februar 1965, keine Toten
- Stärke 8,6 auf Sumatra (Indonesien), März 2005, 1.313 Tote
- Stärke 8,6 in Alaska (USA), März 1957, keine Toten
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Das ist die Insel Sumatra
Die zu Indonesien gehörende Insel Sumatra ist mit einer Fläche von 425.000 Quadratkilometern ungefähr fünfmal so groß wie Österreich und liegt am Pazifischen Feuerring. Auf der Insel gibt es mehrere aktive Vulkane. Die Gesamtfläche - Sumatra plus vorgelagerte Inseln, die verwaltungsmäßig dazugehören - beträgt 473.000 Quadratkilometer. Die 1.750 Kilometer lange und bis zu 400 Meter breite Insel ist damit die sechstgrößte der Erde.
Sumatra wird vom Äquator durchquert, das Klima ist tropisch heiß, Niederschläge gibt es das ganze Jahr über. Die Insel hat mehr als 40 Millionen Einwohner, die größten Städte sind Medan, Palembang und Padang an der Südwestküste mit rund 900.000 Bewohnern.
Ende 2004 kamen durch einen Tsunami im Indischen Ozean mehr als 230.000 Menschen ums Leben, darunter 86 Österreicher. Auslöser war ein Erdbeben der Stärke 9,1 vor der Küste Sumatras. Der Tsunami am zweiten Weihnachtstag hinterließ in zwölf Ländern schwerste Schäden. Außer Indonesien wurden Sri Lanka, Indien und Thailand besonders schwer getroffen. Mindestens 1,7 Millionen Menschen wurden obdachlos.