Parler ist das neue Netzwerk der Ultrarechten

Soziales Netzwerk Parler: Layout und Funktionsprinzip erinnern an Twitter.
Soziales Netzwerk Parler: Layout und Funktionsprinzip erinnern an Twitter.Screenshot
Immer mehr User, denen auf Facebook und Twitter die Sperre droht, weichen auf Parler aus. Der Streit um die US-Wahl verhilft dem Netzwerk zum Boom.

Die haltlosen Vorwürfe von (noch-)US-Präsident Donald Trump, wonach es bei der US-Wahl weit verbreiteten Wahlbetrug gegeben hat, bringen Soziale Netzwerke in die Zwickmühle. Was tun, wenn eine Autoritätsfigur offenkundige Falschheiten verbreitet, weite Teile der Bevölkerung aufhetzt und den Ausgang einer demokratischen Wahl verleugnet? 

Auf Twitter, dem 89 Millionen Follower starken Sprachrohr Trumps, werden Falschaussagen des Präsidenten inzwischen mit Warnungen markiert oder verborgen. Auch Facebook geht gegen Verschwörungstheorien über die US-Wahl vor: Gruppen von radikalen Trump-Unterstützern wurden verwarnt und gelöscht, Hashtags zu Wahlbetrug (#stopthesteal, #voterfraud, etc.) entfernt. 

Radikale Gruppen flüchten auf Parler

Anhänger der Ultrarechten organisieren sich daher auf einer neuen Plattform. Das Soziale Netzwerk Parler wird für viele zum Zufluchtsort, die sich anderorts von einer Sperre bedroht fühlen. "Beeilt euch und folgt mir auf Parler", forderte etwa der konservative Radiomoderator Mark Levin seine Anhänger auf. "Ich versuche, so viele von euch wie möglich dorthin zu bringen, weil ich nicht auf Facebook oder Twitter bleiben werde, wenn sie mich weiterhin so zensieren."

Enormer Zuwachs seit US-Wahl

Parler hatte sich seit seiner Gründung 2018 zu einem Hafen für Verschwörungstheoretiker und Ultrarechte entwickelt. Die Anschuldigungen Trumps, wonach die US-Wahl von den Demokraten "gestohlen" worden sei, verschaffte dem Netzwerk jetzt einen enormen Zwachs. Laut CEO und Investor Jeffrey Wernick verzeichne man inzwischen 7,6 Millionen Accounts – vor einer Woche waren es demnach noch 4,5 Millionen. 

Von Aufbau und Funktionsweise erinnert Parler an Twitter: Ein zentraler Newsfeed zeigt Beiträge von abonnierten Profilen, auch Hashtags stehen zur Auswahl. Mit 1.000 Zeichen Maximalllänge sind deutlich längere Postings als auf Twitter erlaubt. Inhaltliche Schranken gibt es kaum. Direkte Aufforderungen zur Gewalt sind verboten und auch Spam wird nicht toleriert. Darüber hinaus lässt das Netzwerk seinen Nutzern freie Hand und sogar Holocaust-Leugner zu Wort kommen.

Langfristiger Trend noch unklar

In den USA führt das Netzwerk mit dem Motto "Die erste Adresse für freie Rede" durch den jüngsten Hype die Download-Charts in den App Stores von Apple und Google an. Ob es sich langfristig als echter Konkurrent zu Twitter und Facebook durchsetzen kann, oder ein Treffpunkt für extremistische Randgruppen bleibt, ist derzeit aber noch nicht absehbar.

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