Die Passagiere der Costa Allegra haben endlich wieder festen Boden unter den Füßen und können Frischluft atmen. Reisende berichten über atemraubenden Gestank und brütende Hitze, die an Bord des havarierten Schiffes herrschten.
im Hafen der Seychellen-Insel Mahe endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Reisende berichten über atemraubenden Gestank und brütende Hitze, die an Bord des havarierten Schiffes herrschten.
Sie hatten die Costa Allegra betreten, um eine traumhafte Kreuzfahrt zu erleben. Daraus wurde nichts. Nach einem Brand an Bord war das Schiff manövrierunfähig und trieb in den Weiten des Meeres herum, es war also eine ernste Lage, in der sich die Menschen an Bord befanden. Die Klimaanlagen fielen aus, es konnte nicht mehr gekocht werden und es war nicht mehr möglich, sich länger in den Kabinen aufzuhalten.
Erschöpfte Reisende wurden erlöst
Ein österreichischer Tourist berichtete von Panik unter den Passagieren, als das Feuer ausbrach. "Im Tumult auseinandergerissene Paare riefen verzweifelt die namen ihrer Geliebten". Danach sei es vor allem "ruhig" gewesen. Nachdem das Feuer gelöscht gewesen sei, "war es einfach nur langweilig", wird er von orf.at zitiert.
Als der Alarm ertönt, sind die meisten Passagiere und Besatzungsmitglieder auf der "Costa Allegra" zu Tisch. "Es war Mittagszeit, also waren alle beim Essen", berichtet der Kellner Terry Campbell. Einige Leute seien zur Tür gerannt, andere seien ruhiggeblieben. "Die gesamte Crew ist zur Brücke gelaufen, um die Rettungsboote vorzubereiten", sagt der 32-jährige Honduraner. "Wir haben alles stehen und liegen gelassen." Eine andere Reisende sprach von "furchtbarem schwarzen Rauch", den sie beim Brand gesehen hatte. Die Menschen an Bord hätten ihre Schwimmwesten zur Hand genommen, um für eine mögliche Evakuierung gewappnet zu sein, ehe sich die Situation entspannte.
Wie eine belgische Passagierin berichtete, war die Lage äußerst unangenehm: "Wir mussten an Deck schlafen, weil es keine Klimaanlage gab, und die Kabinen stanken, weil die Toilettenspülungen nicht funktionierten", erzählte die Touristin der Nachrichtenagentur AFP. Sie sei erschöpft und froh, dass es vorbei sei.
"Hygiene-Zustände waren erbärmlich"
Ein anderer Reisender bestätigte die unangenehme Situation gegenüber der britischen Zeitung Telegraph: "Es war furchtbar. Die Hygiene-Zustände waren absolut erbärmlich", sagte dieser. "Wir kamen drei Tage ohne Elektrizität aus, es ist sehr schwierig in solchen Bedingungen zu leben, vor allem bei dieser Hitze."
Nicht nur die Herausforderungen an den Körper machten den Menschen an Bord zu schaffen. Schließlich musste das Kreuzfahrtschiff auch durch ein von Piraten frequentiertes Gebiet gezogen werden, was nicht ungefährlich ist. Wie die bisherigen Interview mit Passagieren zeigen, dürfte sich die Crew sehr professionell verhalten haben. Sie wurde dafür von vielen Touristen gelobt.
Rotes Kreuz: "Sehr stressige Situation"
Die Helfer vor Ort haben sich darauf eingestellt, dass die Passagiere in den letzten Tagen die Hölle durchgemacht haben. Das Rote Kreuz hatte vor der Ankunft im Hafen Zelte aufgebaut. "Wir sind hier, um Wasser und psychologische Unterstützung anzubieten, weil die Passagiere sich in einer sehr stressigen Situation befanden", erklärte eine Mitarbeiterin.
Für einen Teil der Reisenden - darunter auch 97 Österreicher - geht es jetzt weiter mit dem Flieger über Luxor nach Wien, wo die Maschine am Freitag Früh erwartet wird. Ein Teil bleibt auf Kosten der Reederei im Luxushotel "Méridien" auf Mahé.
Die 627 Passagiere des Luxusliners erhalten den doppelten Preis der Kreuzfahrt als Entschädigung zurück. Dies teilte die italienische Reederei Costa Crociere, Betreiber des havarierten Schiffes, am Donnerstag mit. "Jeder Passagier kann nach Europa zurückfliegen, oder bis zu 14 Tagen auf den Seychellen verbringen", sagte der stellvertretende Exekutivpräsident der Kreuzfahrtgesellschaft, Norbert Stiekema, der in Victoria, Hauptstadt der Seychellen, eingetroffen ist.
"Österreicher sind sehr erschöpft"
Den österreichischen Passagieren gehe es entsprechend gut, "sie sind alle sehr erschöpft", erklärte Konsul Kratzer. Ein Waldviertler war laut orf.at im Hilfseinsatz, als das Schiff am Meer trieb. Der Hubschrauberpilot versorgte die Passagiere aus der Luft, flog sieben Mal mit Lebensmittel die Costa Allegra an. "Es war hauptsächlich Brot, das haben wir geliefert, auch Funkgeräte", erklärt der Mann.
Die Erlebnisse schilderte auch die Salzburgerin Siegrid Größing: "Jetzt geht es uns wieder halbwegs gut. Wir sind jetzt in einem Hotel auf den Seychellen und können uns dort duschen und frisch machen. Und jetzt warten wir auf den Abflug nach Wien. Das schlimmste waren die hygienischen Zustände und die Dunkelheit. Ich habe zum Glück Taschenlampen eingepackt gehabt und das war das wichtigste. In den Gängen und überall war es ja stockdunkel! Das war schrecklich." Zu essen und trinken wäre genug vorhanden gewesen, doch an Deck hätten sich die Leute um Liegen gestritten, weil es in den Kabinen so heiß war. "Wir haben die Türe offen gelassen und sind nackt am Bett gelegen. Aber das war so eine Ausnahmesituation, dass das den Leuten einfach egal war."