Patient statt Herz-OP zum Zahnarzt geschickt – tot

Ein 70-jähriger Mann sollte am Herzen operiert werden. Soweit kam es aber nicht. Er verstarb, nachdem er zum Zahnarzt geschickt wurde.

Wieder sorgt ein Fall am Grazer LKH-Uniklinikum für Aufsehen: Wie die "Kleine Zeitung" berichtet, prüft die Staatsanwaltschaft die heikle Angelegenheit und muss klären, ob ein Patient noch am Leben sein könnte.

Dem Bericht zufolge sollte ein 70-jähriger Mann dringend eine Herz-OP erhalten. Im Zuge der Voruntersuchungen hatten die Mediziner allerdings einen "beherdeten Zahn" entdeckt, der zu einem Risiko hätte werden können.

Der Patient wurde daraufhin von der Herzchirurgie entlassen und sollte sich laut Anweisung den kranken Zahn bei einem niedergelassenen Zahnarzt behandeln. Erst danach sollte der Eingriff am Herzen erfolgen.

Diese Zeit hatte der 70-Jähriger aber nicht mehr. Er erlitt nach der Entlassung zuhause einen weiteren Herzanfall und konnte nicht mehr gerettet werden.

Die trauernde Ehefrau des Verstorbenen schilderte der "Kleinen Zeitung": "Mein Mann hat zu mir gesagt, er würde nur gegen seinen Willen die Klinik verlassen, er benötigte Sauerstoff. Aber er musste nach Hause. Dann kam der zweite Anfall. Man konnte ihn nicht mehr reanimieren – er starb."

"Vieles ist schiefgelaufen"

Die Witwe stellte auch klar, dass sie dem Spital keine Schuld zuweisen möchte, solange nicht alle Fragen geklärt sind. "Aber aufgrund meiner Kenntnisse zum Tod meines Mannes ist mir klar, dass vieles schiefgelaufen ist. Solche Zustände gehören abgeschafft, um andere Patienten zu schützen."

Der Fall wurde an die Patienten-Ombudschaft übergeben, die ihn überprüft und an die Staatsanwaltschaft angezeigt hat. Auch das Ministerium wurde informiert, heißt es. Allen voran die Frage, ob die Dringlichkeit für eine Operation übersehen wurde, muss nun geklärt werden.

Erst kürzlich hatte eine Witwe angeklagt, dass ihrem verstorbenen Mann am LKH Graz ein beschädigtes Herz eingesetzt wurde – "Heute.at" berichtete ausführlich.

Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (Kages) verweist angesichts der neuen Vorwürfe darauf, dass wegen "vermuteter Qualitätsmängel" ohnehin schon vor Wochen eine Überprüfung der gesamten Herzchirurgie beantragt wurde. Das Ergebnis wird nun abgewartet. (ek)

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