Nach der neuen Flüchtlingstragödie im Mittelmeer mit 34 Toten startet die italienische Regierung eine Überwachungsmission, um Migranten in Seenot zu retten.
startet die italienische Regierung eine Überwachungsmission, um Migranten in Seenot zu retten.
Die Zahl der italienischen Schiffe und Flugzeuge im Mittelmeerraum wird verdreifacht, kündigte Ministerpräsident Enrico Letta an. "Damit wollen wir Menschenleben im Mittelmeer retten, das zu einem Massengrab geworden ist."
Für Rom ist das aber nur eine Übergangsmaßnahme, bis die EU-Grenzschutzagentur FRONTEX ausgebaut ist. Die bestehenden Regeln zur Aufnahme von Flüchtlingen bleiben aber unangetastet. Demnach bleibt das Land, in dem ein Flüchtling die EU erreicht, für das Asylverfahren und die Unterbringung verantwortlich. Italien will deshalb das Flüchtlingsproblem erneut beim EU-Gipfel am 24. und 25. Oktober zur Sprache bringen.
EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) forderte unterdessen einen radikalen Kurswechsel. Europa brauche so wie die USA und Kanada ein "legales Einwanderungssystem". "Alle großen Einwanderungsregionen dieser Erde so wie die USA, Australien oder Kanada haben moderne Gesetze, die legale Zuwanderung regeln.“ Nur so könnten Menschen davon abgehalten werden, „sich unmoralischen Schleppern auszuliefern, die aus ihrer Hoffnungslosigkeit ein Geschäft machen“.
Auf Flüchtlinge geschossen
Mindestens 34 Menschen waren am Freitag im Mittelmeer ertrunken, als ihr Flüchtlingsboot zwischen Malta und Lampedusa kenterte. Bei zwölf Todesopfern handelte es sich um Kinder. Etwa 200 Menschen wurden gerettet. Die Überlebenden wurden nach Lampedusa und Malta gebracht.
Überlebende des zwischen Malta und Lampedusa havarierten Schiffes berichteten der Zeitung "Malta Today" (Sonntag), Ein Militärschiff sei ihnen zuvor stundenlang gefolgt und habe den Kapitän zur Rückkehr aufgefordert. Schließlich habe die Marine auf den Maschinenraum gefeuert. Eine Stellungnahme aus Libyen gab es dazu nicht. Das Schiff war in der Hafenstadt Suwara in See gestochen
Inzwischen ebbt die Flüchtlingswelle von Nordafrika nach Süditalien nicht ab. Ein Boot mit 137 Migranten an Bord landete am Montag in der Früh direkt im Hafen Lampedusas, ohne dass es von der Küstenwache gesichtet wurde. Auf Lampedusa wird am Montag auch das Schiff "Lybra" der italienischen Marine erwartet. Das Schiff soll die Leichen der 362 Opfer des Flüchtlingsunglücks vom 3. Oktober an Bord nehmen und nach Sizilien bringen. Dort sollen sie beerdigt werden.