Politik

Bodyguards für Anschober wegen Corona-Mob

Gesundheitsminister Rudi Anschober ortet in Österreich immer mehr Verunsicherung, aber auch Wut. Nach persönlichen Attacken bekommt er Personenschutz.
Rene Findenig
16.03.2021, 12:27

3.000 sei "sehr wichtige Grenze", so Gesundheitsminister Rudi Anschober bei einer Pressekonferenz zu Corona-Mythen und -Falschmeldungen. Die Corona-Zahlen hätten sich "in den letzten Tagen etwas stabilisiert", die Zahl der eingemeldeten Tests habe eine "unglaubliche Größenordnung" von 355.000 Testungen erreicht. Österreich sei damit weltweit die Nummer 3, was die Testintensität betrifft, so Anschober. Große Lockdowns könne man nur verhindern, indem man in die Testintensität gehe.

Der negative Aspekt der aktuellen Situation: Es gebe laut Anschober eine große Zunahme in den Spitäler. Aktuell gebe es 383 Intensivpatienten, "das macht mir große Sorgen", so Anschober, denn es handle sich um ein Plus von 13 Prozent in den letzten sieben Tagen. Dafür vermerke man eine Rekordwoche mit 230.000 Impfungen, wobei ein "stark steigendes Tempo" in den nächsten Tagen erwartet werde. "Das ist genau das, was die Liefermengen hergeben", so Anschober.

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„"Das bitte immer in Relation mit den Nebenwirkungszahlen zu sehen"“

Zehn Prozent der impfbaren Bevölkerung hat in Österreich bereits die erste Impfung. In Europa gäbe es bisher 6,9 Millionen Impfungen, 220.000 davon in Österreich mit AstraZeneca. "Das bitte immer in Relation mit den Nebenwirkungszahlen zu sehen", so Anschober nach Meldungen über Todesfälle und Erkrankungen nach Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff, die nicht in Zusammenhang stehen sollen.

"Für uns ist die erste Phase des Halbjahres wichtig", so der Minister, im ersten Halbjahr wolle man die Impfphase so abschließen, "dass wir eine hohe Quote bei der Erstimpfung erreichen". Biontech-Pfizer könne zehn Millionen Dosen schneller liefern, Österreich soll davon "mindestens 200.000 Dosen" bekommen. Im ersten Quartal seien es nun rund zwei Millionen Dosen für Österreich insgesamt, im zweiten Quartal soll das ebenfalls massiv gesteigert werden.

„"Ich habe Personenschutz bekommen"“

Die große Gesundheitskrise könne man nur gemeinsam meistern, so Anschober, heute seien aber viele Menschen durch Neuentwicklungen und immer neuerem Wissenstand "verunsichert", diese Entwicklungen "haben uns vom guten Kurs, auf dem wir waren, abgebracht". Viele wollen nichts mehr hören, so Anschober, er merke das selbst. Und: "Diese Gesellschaft ist teilweise einfach erschöpft." Manche würden zu resignieren beginnen, manche würden depressiv, ein kleiner Teil werde aggressiv.

"Ich habe Personenschutz bekommen", so der Gesundheitsminister, und das seit einigen Monaten aufgrund der auch sehr persönlichen Anfeindungen und Attacken. Doch das Allerletzte, was man in der Pandemie brauchen könne, seien Gerüchte und Unwahrheiten. "Rund um Impfungen sowie das Infektionsgeschehen kursieren viele Falschinformationen und Annahmen", so Anschober. Deswegen präsentierte Anschober André Wolf von Mimikama und Daniela Ingruber vom Austrian Democracy Lab als Corona-Faktenchecker.

„"Wir haben nur einen echten Gegner"“

"Wir brauchen Zusammenhalt, Spaltung schädigt uns", sagte Minister Anschober. Fakten würden Vertrauen schaffen. "Wir haben nur einen echten Gegner", und das sei Corona, deshalb müsse man zusammenhalten. Laut Ingruber seien bis zu 20 Prozent der Österreicher anfällig dafür, Verschwörungstheorien und Mythen zu glauben, eine starke rassistische und antisemitische Tendenz ziehe dabei eher rechte Personen an. "Fake News nutzen den Zweifel aus", so Ingruber. Anschobers Appell: Bei Fragen die Impfhotline unter 0800 555 621 zu kontaktieren ider bei Verschwörungsmythen bei Mimikama oder dem Sozialministerium nachzufragen.

Wolf ortete eine "Übersättigungsphase", in der viele Menschen das Thema Corona leid seien und sich seit April immer mehr Verschwörungsmythen aufgebaut hätten. Dabei würden keine Fakten mehr, sondern Gefühle und neue Narrative eine Rolle spielen. Die Anhänger seien auch mit Fakten nicht mehr zu erreichen, es finde eine Radikalisierung bis hin zu vereinzelten Anschlägen statt. 

Zu AstraZeneca erklärte Anschober, dass es eine sehr wichtige Phase sei. Man habe eine gesamteuropäische Genehmigung und ein Prüfungsverfahren, dass auf Ebene der Arzneimittelagentur EMA zusammenlaufe. Deswegen wolle er ein gesamt-europäisches Vorgehen. Die Fragen seien weniger politische Fragen, man müsse eher auf die Meinung und das Wissen der Impf-Experten hören. Die sprachen sich auch dafür aus, die EMA mit der Sache zu befassen.

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