Pfarrinnenhöfe werden im Sommer zu „Klimaoasen"

Um auch einkommensschwachen Menschen Zugang zu kühlen Orten zu ermöglichen, öffnet die Caritas nun zehn Pfarren in Wien und Niederösterreich. 

Mit einem neuen Projekt startet die Caritas der Erzdiözese Wien gemeinsam mit zehn Wiener und niederösterreichischen Pfarren in die heiße Jahreszeit.  "Wir öffnen ab sofort Pfarrinnenhöfe, um Hitze und Einsamkeit in der Stadt entschieden entgegenzuwirken", erklärt Klaus Schwertner, Caritas Generalsekretär der Erzdiözese Wien, bei einem Medientermin am Montag Nachmittag in der Pfarre Breitensee (Penzing). Mit den neuen Klimaoasen will die Caritas kühle Orte schaffen, die vor allem auch armutsbetroffenen und obdachlosen Menschen den Zugang zu kühlen Räumen ermöglichen und so mithelfen, sie vor den Folgen der Klimakrise zu schützen.

Andererseits sollen einsame Menschen, die gerne zum Plaudern kommen wollen und sich aufgrund der Corona-Krise alleine und isoliert fühlten, einen Wohlfühlort für Begegnungen und Gespräche finden. Freiwillige verköstigen die Gäste mit kühlen Getränken und kleinen Mahlzeiten.Aktuell sind bereits sechs Pfarren in Wien (Breitensee, Hütteldorf, Aspern-St. Martin, Canisius, Pfarre zum Göttlichen Wort, Hetzendorf), sowie vier Pfarren in Niederösterreich beteiligt, weitere Klimaoasen sollen folgen (eine Übersicht der Standorte findest Du hier). Das Projekt "Klimaoase" läuft bis September 2020, noch werden Freiwillige gesucht, die bei dem Projekt unterstützen möchten, alle Infos dazu hier.  

"Armut als höchstes Gesundheitsrisiko in Österreich"

"Studien belegen leider, dass Armut nach wie vor auch in Österreich das größte Gesundheitsrisiko ist. 43 Prozent der Menschen mit niedrigem Einkommen haben ein chronisches Gesundheitsproblem, während dies nur auf 33 Prozent der Menschen mit hohem Einkommen zutrifft. Armutsbetroffene sterben um zehn Jahre früher als der Rest der Bevölkerung, bei Wohnungslosen macht der Unterschied sogar 20 Jahre aus. Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir: Wer von Armut betroffen ist, kann oft auch der Hitze in der Stadt weniger gut entgehen. Mit den Caritas-Klimaoasen machen wir Sommerfrische in der Stadt niederschwellig und kostenfrei möglich", erklärt Schwertner.

Unterstützung erhält die Cariats von Vizebürgermeisterin und Klimaschutzstadträtin Birgit Hebein (G). Für sie ist die Verbindung von Klimaschutz und Sozialpolitik ein Herzensanliegen. "Klimapolitik ist für mich ohne Sozialpolitik undenkbar. Denn die Hitze betrifft uns alle, besonders aber Kinder und alte, chronisch kranke oder armutsbetroffene Menschen. Deshalb ist es mir wichtig, den öffentlichen Raum gerechter zu verteilen und gemeinsam alles zu unternehmen, um unsere Stadt abzukühlen und niemanden zu übersehen. Dazu gehören Begegnungszonen, Baumpflanzungen und die 'coolen Straßen', wo wir direkt vor der Haustür Orte der Begegnung zum Plaudern mit Schatten, Wasser und Bankerl schaffen. Es freut mich, dass mit den KlimaOasen ein nächster wichtiger Schritt für mehr kühle Räume abseits der Hitzeinseln getan wird", so Hebein. 

Aus Wärmestuben im Winter werden Klimaoasen im Sommer

Dass der Bedarf nach vergleichbaren Orten des Zusammenhalts groß ist, spürte die Caritas zuletzt im vergangenen Winter und während des Corona-Lockdowns. Bis zu 35 pfarrliche Wärmestuben hatten seit Dezember in Wien offen, um Menschen, die in schlecht isolierten Wohnungen leben oder unter sozialer Isolation leiden, einen Rückzugsort zu bieten. Mehr als 14.000 Besuche wurden seit Dezember gezählt. Das Projekt wurde von 850 Freiwilligen betreut. "Diese Erfahrung macht uns sicher: Die Klimaoasen wird es über die heurige Pilotphase hinaus auch in den kommenden Jahren geben. Der Bedarf ist da. Die Not ist konkret. Und die Wiener Pfarren beweisen einmal mehr, dass sie passgenaue Hilfe leisten", so Schwertner.“ 

Die Pfarren der Erzdiözese Wien leisten seit vielen Jahren in Wien und Niederösterreich vielfältige Hilfe in den unterschiedlichsten Bereichen. Ihre Bedeutung nahm dabei in den vergangenen Jahren konstant zu. Insgesamt haben in Wien und Niederösterreich rund 160 Pfarren einen aktiven pfarrlichen Caritaskreis. Egal ob Sprechstundenhilfe (18.000 Beratungsgespräche im Vorjahr), Lebensmittelausgaben oder Besuchsdienste – etwa 2.000 Ehrenamtliche sind regelmäßig tätig, 4.000 weitere Menschen engagieren sich punktuell für Menschen in Not. So werden beim Lebensmittelprojekt Le+O (Lebensmittel und Orientierung) wöchentlich knapp 15 Tonnen haltbare Lebensmittel ausgegeben. 120 Besuchsdienste sind für einsame und oft alte Menschen im Einsatz und unterwegs. Allein im Vorjahr wurden knapp 100.000 Begegnungen gezählt. Und noch immer sind rund 100 Pfarren in der Begleitung und Betreuung von Menschen auf der Flucht engagiert.

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