Für viele ist Familie das große Lebensziel, für Philipp Hochmair (52) war sie nie eines. Der Schauspieler, der heuer zum dritten Mal den "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen gibt, hat sich ganz bewusst dagegen entschieden: "Ich bin privat sehr glücklich, aber eine Familie mit Kindern war nie Thema für mich", sagt er im "Bild"-Podcast.
Versuche, ihn in ein klassisches bürgerliches Leben zu drängen, prallen an ihm ab. "Wenn man mich aus dieser Welt in die reale hinüberzerren möchte, beißt man bei mir auf Granit. Ich bin dafür einfach nicht geeignet", stellt Hochmair klar.
Seine Erfüllung fand er stattdessen am Theater, am Wiener Burgtheater und am Hamburger Thalia Theater. Seine wahre Heimat sei denn auch nicht Wien, sondern Hamburg: "In Hamburg habe ich mich erfunden."
Auf der Bühne, sagt er, sei er erst ganz bei sich. "Mir gibt die Zeit auf der Bühne unglaubliche Energien und Glücksgefühle. Nach einem gelungenen Theaterabend bin ich wie genesen." Selbst an schlechten Tagen wirke das Spiel wie Medizin: "Keine Medizin der Welt kann mir geben, was dieser Endorphinrausch auf der Bühne herstellt."
Verstärkt wurde diese Erkenntnis durch eine ungewöhnliche Erfahrung. Hochmair erzählt offen von einer betreut durchgeführten Sitzung mit Magic Mushrooms, die er als therapeutisch beschreibt. "Das war keine Party-Geschichte. Es war eine geführte Erfahrung, mit Gesprächen vorher, einer Betreuung und einer Nacharbeitung", so der Schauspieler. Für ihn sei es ein "Door-Opener" zu sich selbst gewesen: "Ich verstand: Ich bin richtig auf der Bühne. Und im Leben auch."
Ganz anders verlief das Leben seines zweieinhalb Jahre jüngeren Bruders, der als Lungenfacharzt vier Kinder großzieht. "Wir sind eng, obwohl unsere Leben wirklich krass unterschiedlich sind", sagt Hochmair. Im Elternhaus wurde Kunst zwar geschätzt, aber "aus sicherer Distanz", Künstler habe man betrachtet "wie Bewohner eines fernen Planeten".
Vor allem sein Vater habe sich mit der wilden, körperlichen Bühnenkunst seines Sohnes schwergetan. Ob die Eltern stolz gewesen seien? "Meine Mutter schon, aber mein Vater hat das nie über die Lippen gebracht." Dahinter vermutet Hochmair bis heute Existenzangst. Nachtragend ist er deswegen nicht, sein Wunsch an die inzwischen 84 und 81 Jahre alten Eltern ist bescheiden: Sie sollen sein Leben "einfach auch mal mit Entspannung, mit Freude anschauen können, ohne Angst zu haben".