Plant Trump nach Twitter-Aus eigene Online-Plattform?

Nachdem Twitter den Account von Donald Trump dauerhaft gesperrt hat, muss sich der scheidende US-Präsident mehr oder weniger fragwürdige Alternativen suchen.
Nachdem Twitter den Account von Donald Trump dauerhaft gesperrt hat, muss sich der scheidende US-Präsident mehr oder weniger fragwürdige Alternativen suchen.Revierfoto / Action Press / picturedesk.com
Kein Twitter, kein Facebook, kein Instagram: Der scheidende US-Präsident braucht neue Verbreitungskanäle für seine Botschaften.

Im Weißen Haus gehen die Lichter an und aus, immer wieder, in bestimmten Abständen – Donald Trump setzt auf Morsezeichen, um seine Botschaften an seine Anhängerschaft zu bringen. So kommentiert ein User auf Twitter scherzhaft die Sperrung von @realDonaldTrump in dem Online-Dienst und die Suche des Noch-Präsidenten nach neuen Verbreitungskanälen.

Twitter hat das persönliche Konto Trumps mit fast 89 Millionen Abonnenten nach nahezu zwölf Jahren dauerhaft gesperrt. Das Unternehmen begründete den weitreichenden Schritt nach den Ausschreitungen im Kapitol vergangene Woche damit, dass ein "Risiko zu weiterer Anstiftung zur Gewalt" bestehe. Facebook und Instagramlassen Trump zumindest bis zur Amtseinführung des neuen Präsidenten Joe Biden am 20. Januar nicht mehr zu Wort kommen. Twitch und Snapchat haben Trumps Konten auf Eis gelegt, und Shopify verbannte mit Trump verbandelte Online-Shops.

Trump erwägt, eigene Plattform aufzubauen

Seiner großen Online-Megaphone verlustig sucht Trump nun nach Alternativen. "Wir haben Verhandlungen mit mehreren anderen Sites aufgenommen", kündigte der scheidende Präsident am Freitag an. 

 "Und wir werden bald eine große Ankündigung haben, während wir auch Möglichkeiten prüfen, in naher Zukunft unsere eigene Plattform aufzubauen."

Ein Sprachrohr, auf das Trump setzen dürfte, ist der mit Weitrechts sympathisierende Online-Dienst Parler. Der ist rund zwei Jahre alt und hat nach eigenen Angaben zwölf Millionen Nutzer. Auch die Trump-Söhne Eric und Don Jr. sind dort aktiv.

Zumindest ausgebremst ist Parlerderzeit aber auch. Google nahm die App – mit Verweis auf mögliche zu Gewalt aufhetzende Posts – aus seinem Store, Apple folgte und setzte Parler ein Ultimatum. Fragen rund um die öffentliche Sicherheit müssten gelöst sein, bevor die App wieder aufgenommen werden könne, hieß es.

Amazon informierte Parler derweil, dass das Unternehmen sich nach einem neuen Webhosting-Service umsehen müsse. Und das schon ab Mitternacht am Sonntag. In einem Brief, über den zunächst Buzzfeed berichtete, verwies Amazon darauf, dass Parler in den vergangenen Wochen 98 Beispiele von Postings genannt worden seien, "die klar zu Gewalt ermutigen und anstacheln". Die Plattform bedeute "ein Risiko für die öffentliche Sicherheit".

"Koordinierte Attacke"

Parler-Chef John Matze spricht von einer "koordinierten Attacke" der Großen, die Wettbewerber ausschalten wollten. "Wir waren zu schnell zu erfolgreich", postete er am Wochenende. Lange glaubt er sich aber nicht abgehängt. Vielleicht sei Parler eine Woche lang nicht verfügbar, während der Dienst umgebaut werde.

Als eine Option für Trump bietet sich auch der Kurznachrichtendienst Gab mit Sitz in Philadelphia an. Aber Gab kann ebenfalls keine stabile Webhosting-Geschichte vorweisen. Google und Apple verstießen die App 2017 aus ihren Stores, auch im Folgejahr fand Gab wegen antisemitischer Postings zeitweilig keinen Anschluss. Auch Microsoft kündigte einen Webhosting-Vertrag.

Insgesamt erwarten Medienexperten allerdings steigenden Druck auch auf solche Ausweichplattformen, aufwieglerische Beiträge zu unterbinden. Selbst Dienste wie Parlerund kleine Plattformen, auf denen derzeit offenbar Störungen vor der Amtsübergabe im Weißen Haus organisiert würden, bekämen diesen Druck zu spüren, sagt David Kaye von der University of California-Irvine.

Ethan Zuckerman von der University of Massachusetts-Amherst rechnet aber auch mit einer beschleunigten Zersplitterung der Social-Media-Welt entlang ideologischer Linien. Mehr Plattformen mit einem kleineren, ideologisch isolierteren Nutzerkreis könnten die Folge sein. Klar sei dabei aber: 

 "Trump wird ein großes Publikum mitnehmen, egal, wohin er geht."

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