Die Schuldsprüche für die fünf Angeklagten im Mordfall Anna Politkowskaja wurden schon im Mai gefällt, nun folgten die Urteile. Haftstrafen zwischen zwölf Jahren und lebenslänglich wurden verhängt, doch die Familie und die Kollegen der regierungskritischen Russin sind nicht zufrieden. Sie wollen, dass der Auftraggeber ausfindig gemacht wird.
im Mordfall Anna Politkowskaja wurden schon im Mai gefällt, nun folgten die Urteile. Haftstrafen zwischen zwölf Jahren und lebenslänglich wurden verhängt, doch die Familie und die Kollegen der regierungskritischen Russin sind nicht zufrieden. Sie wollen, dass der Auftraggeber ausfindig gemacht wird.
Bis heute ist unklar, wer den Mord vom Oktober 2006 in Auftrag gegeben hat. Familie und Kollegen forderten daher weitere Ermittlungen.
Putin-Kritikerin prangerte Menschenrechtsverletzungen an
Die Journalistin war im Oktober 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses erschossen worden. Politkowskaja war als scharfe Kritikerin von Präsident Wladimir Putin bekannt und prangerte in ihren Berichten insbesondere Menschenrechtsverletzungen während des Tschetschenienkriegs an. Ihre Ermordung hatte international für Empörung gesorgt.
Drei Brüder, ihr Onkel und ein Ex-Polizist verurteilt
Wegen der Tat mussten sich drei Brüder aus Tschetschenien, ihr Onkel sowie ein früherer Moskauer Polizeioffizier vor Gericht verantworten. Rustam Machmudow soll die tödlichen Schüsse abgefeuert haben, sein Onkel Lom-Ali Gaitukajew soll das Ganze organisiert haben. Beide erhielten lebenslänglich. Rustams Brüder Dschabrail und Ibragim müssen für ihre Beteiligung an dem Mord jeweils für 14 und zwölf Jahre in Lagerhaft, der Ex-Polizist Sergej Chadschikurbanow erhielt 20 Jahre Haft.
Sohn Ilja und Kollegen wollen weitere Ermittlungen
"Ich werde nicht zufrieden sein, bis diejenigen, die dieses Verbrechen angeordnet haben, dasselbe Urteil bekommen", sagte Politkowskajas Sohn Ilja dem Sender Rossija 24 nach der Urteilsverkündung. Politkowskajas Kollegen bei der "Nowaja Gaseta", für die Politkowskaja früher arbeitete, äußerten sich ähnlich. Unter die Ermittlung könne "unmöglich ein Schlussstrich gezogen" werden, sagte stellvertretende Herausgeber Sergej Sokolow. "Die Ermittlung muss fortgesetzt werden."
Die Menschenrechtsorganisation Helsinki-Gruppe erklärte, die Verurteilten hätten allesamt "kein persönliches Motiv", um Politkowskaja zu töten. Es stelle sich daher die Frage, wer der Auftraggeber sei.
Verurteilte berufen, Ermittler setzen Arbeit fort
Das russische Ermittlungskomitee sagte seinerseits zu, die Untersuchungen würden fortgesetzt, bis der Auftraggeber vor Gericht stehe. Dazu würden "umfassende Maßnahmen" eingeleitet, erklärte der Sprecher Wladimir Markin. Die Anwälte der Verurteilten kündigten wiederum Berufung an, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete.
Der Mord an Politkowskaja beschäftigt die russische Justiz schon seit Jahren. Der mutmaßliche Todesschütze war 2009 wegen des Mordes verurteilt worden, drei der anderen Angeklagten wurden freigesprochen. Russlands Oberster Gerichtshof hatte das Urteil im Folgejahr allerdings kassiert und einen neuen Prozess angeordnet.
Wichtigstes "Beweismittel" für die Anklage diesmal war der 2012 zu elf Jahren Straflager verurteilte Ex-Polizist Dmitri Pawljutschenkow, der seine Beihilfe zum Mord gestanden hatte. Er soll den Mördern die Adresse Politkowskajas verraten und ihnen die Waffe besorgt haben.
APA/red.