Polizei entschuldigt sich für Strafe bei Pflegekraft

Wegen Überstunden und Bundesvorgaben müssen Krankenhausangestellte mit dem Auto zur Arbeit fahren. Eine Bernerin bat vergeblich um Verständnis und kassierte eine Busse.
In Österreich wurden in den vergangenen Tagen die Kurzparkregeln in wesentlichen Teilen der Republik gelockert oder auf Grund der aktuellen Situation komplett ausgesetzt. Dass es in der Schweiz ähnliche Diskussionen gibt, zeigt ein Fall einer Berner Krankenschwester.

Das Medizinpersonal im Berner Inselspital arbeitet wegen des Coronavirus auf Hochtouren. Im derzeit hektischen Betrieb besonders belastet ist das Pflegepersonal. Wie hierzulande auch wurden die Arbeitnehmer dazu aufgefordert möglichst nicht mit dem Öffentlichen Verkehr anreisen. Daran hält sich auch Anja F.* Jedoch gibt es auf dem Krankenhaus-Areal derzeit zu wenig Parkplätze für Mitarbeiter.

Mit einem freundlichen Brief wies die 28-Jährige die Polizisten auf den besonderen Umstand hin. "Ich verstehe, Sie gehen nur Ihrer Arbeit nach... so wie ich", beginnt ihr Brief, der an Polizisten gerichtet ist und den sie gut sichtbar hinter der Frontscheibe ihres Wagens platzierte. Darin erklärt sie die besondere Situation und schreibt: "Bitte seien Sie nachsichtig mit mir."

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Trotzdem Strafe kassiert



Als die Bernerin am Montag nach einer langen Schicht im Krankenhaus zum Auto kommt, klemmt neben dem Brief ein Strafzettel der Kapo Bern. 100 Franken wollten die Berner Gesetzeshüter von F., weil das Auto zu lange an der falschen Stelle stand.

Neben der Buße entdeckte die Pflegefachfrau eine handgeschriebene Notiz: "Vergeblich versuchte ich die Polizistin vor einer Parkbusse abzuhalten. Ich übernehme die Busse für Sie."

Die Notiz habe sie sehr berührt, sagt F. zu "20 Minuten". "Es ist unglaublich schön, dass die Solidarität, die wir derzeit von der Bevölkerung einfordern, da ist." Leute würden helfen und ihren Teil zur Bewältigung der aktuellen Krise beitragen. "Das ist einfach nur schön." Sie habe den Verfasser der Notiz umgehend angerufen: " Ich habe mich bei ihm bedankt, jedoch abgelehnt. Er muss das sicherlich nicht bezahlen."



"Stimmt mich nachdenklich"



Der Mann arbeite derzeit auch im Homeoffice. "Ich habe gesehen, wie die Polizistin gerade versuchte, mein Auto zu strafen, konnte dies aber mit Verweis auf die Corona-Krise gerade noch abwenden", so der Berner zu "20 Minuten". Später habe er realisiert, dass F. dagegen eine Busse bekommen habe. "Das fand ich nicht gerecht. Die Pflegerin hatte viel den besseren Grund, nicht gestraftt zu werden." Darum habe er auch ein Foto davon geschossen, und in den sozialen Medien veröffentlicht.

Die Pflegefachfrau ist der Polizistin nicht böse: "Aber es stimmt mich nachdenklich, dass genau die vorhin angesprochene Solidarität bei der Polizei offenbar nicht vorhanden ist." Das Pflegepersonal sei genau so betroffen von der aktuellen Situation wie die Polizei. "Darum verstehe ich diese Parkbußen-Politik, die gerade ums Krankenhaus herrscht, nicht."

Krankenhaus schaltet sich ein



Mittlerweile muss sich die Angestellte nicht mehr um die Busse kümmern. Die Leitung des Krankenhauss hat sich der Sache bereits angenommen. Man sei bereits mit der Stadt Bern und der Kapo in Kontakt, sagt Alex Josty, Sprecher des Spitals. "Die Situation für die Mitarbeitenden soll verbessert werden." Er sei davon überzeugt, dass man mit den Behörden zu einer gütlichen Lösung komme. "Und sonst mache ich das Angebot auch noch: Bevor unsere Pflegefachkraft die Buße zahlen muss, mache ich das."

Polizei entschuldigt und bedankt sich

Polizei entschuldigt und bedankt sich

Die Kantonspolizei Bern hat auf Twitter bereits auf den Fall reagiert. "Hier wäre mehr Augenmaß gefragt gewesen", entschuldigt sie sich. So Es würden bereits Parkplatz-Lösungen für Krankenhausmitarbeiter gesucht. "Unabhängig davon: Großen Dank unseren Kolleginnen und Kollegen, die im Krankenhaus und bei den Rettungsdiensten viel Wertvolles leisten!"





*Name der Redaktion bekannt





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