Die Radsport-Welt trauert um Finlay Tarling. Der 19-jährige Brite kam auf der achten Etappe der Portugal-Rundfahrt ums Leben, nachdem er mit einem entgegenkommenden Auto kollidiert war. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen konnte der junge Profi nicht gerettet werden.
Nun hat die portugiesische Nationalgarde GNR weitere Details zu dem folgenschweren Unfall veröffentlicht.
Oberstleutnant Carlos Canatario schildert, dass Tarling zu Beginn einer Abfahrt plötzlich stark beschleunigt und seinen eigenen Teamwagen überholt habe. Anschließend soll der Radprofi eine enge Kurve weit links genommen haben. Dort kam es zur Kollision mit dem entgegenkommenden Fahrzeug.
Wegen der unübersichtlichen Kurve dürfte Tarling das Auto erst sehr spät oder gar nicht gesehen haben.
Doch wie konnte überhaupt ein ziviles Fahrzeug auf die Strecke gelangen, während das Rennen noch lief?
Nach bisherigen Ermittlungen kam der Autofahrer über eine kleine Zufahrtsstraße. Dort soll er zunächst angehalten und das vorbeifahrende Peloton beobachtet haben. Anschließend habe er Zuschauer gefragt, ob das Rennen bereits vorbei sei.
Laut Polizei sollen diese ihm gesagt haben, dass die letzten Fahrer bereits vorbeigefahren seien und er weiterfahren könne.
Eine fatale Fehleinschätzung: Im Radsport kennzeichnet üblicherweise erst ein Begleitfahrzeug – der sogenannte Besenwagen – das tatsächliche Ende der Rennkolonne. Offenbar war das weder dem Autofahrer noch den befragten Zuschauern bewusst.
Die Ermittler stellten beim Autofahrer weder Alkohol noch Drogen oder entsprechende Medikamente fest. Zudem soll er auf seiner eigenen, rechten Fahrspur unterwegs gewesen sein. Er fuhr allerdings in die entgegengesetzte Richtung des Rennens.
Nach aktuellem Ermittlungsstand soll deshalb keine strafrechtliche Anklage gegen den Fahrer erhoben werden.
Offen ist allerdings weiterhin die Frage, ob die Rennstrecke ausreichend abgesichert war.
Die GNR untersucht derzeit, welche Beschilderung an der Zufahrtsstraße vorhanden war und ob möglicherweise Schilder entfernt worden waren. Wichtige Punkte entlang der Strecke seien zwar abgesichert gewesen, die kleine Straße, über die das Auto auf den Kurs gelangte, war jedoch nicht mit einem Beamten besetzt.
Die Ermittlungen zum tödlichen Unfall sind noch nicht abgeschlossen.