Deutschland

Anklage nach tödlichen Polizeischüssen auf 21-Jährigen

Nach tödlichen Polizeischüssen auf einen 21-Jährigen in Oldenburg muss sich ein Beamter wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten.
Newsdesk Heute
05.11.2025, 12:15
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Nach den tödlichen Schüssen der Polizei auf einen 21-jährigen Burschen in Oldenburg ist jetzt ein Polizist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Der Beamte habe geglaubt, mit einem Messer angegriffen zu werden und sich in einer Notwehrsituation zu befinden, teilte die Staatsanwaltschaft Oldenburg am Mittwoch mit. Sein Irrtum sei laut Behörde aber "vermeidbar" gewesen. Er hätte erkennen müssen, dass Lorenz, so der Name des 21-Jährigen, nur flüchten wollte.

Die Staatsanwaltschaft sieht daher eine fahrlässige Tötung, für die sich der Polizist vor Gericht verantworten muss. Ein vorsätzliches Tötungsdelikt könne ihm aber nicht angelastet werden, betonte die Behörde. Ob die Anklage zugelassen wird und es zum Prozess kommt, entscheidet das Landgericht Oldenburg.

Heftige Kritik an der Polizei

Die tödlichen Schüsse auf den 21-jährigen Schwarzen haben viel Betroffenheit ausgelöst und heftige Kritik am Vorgehen der Polizei hervorgerufen. In Oldenburg gab es deswegen sogar eine Demonstration mit tausenden Teilnehmern. Nach Angaben der Ermittler soll der Mann in der Nacht auf Ostersonntag nach einem Streit vor einer Diskothek in der Innenstadt mit einem Messer Menschen bedroht haben. Das löste den Polizeieinsatz aus.

Die Einsatzkräfte, die über Funk von dem Messer erfahren hatten, trafen den flüchtenden 21-Jährigen kurz darauf an und forderten ihn mit gezogenen Waffen auf, stehen zu bleiben. Laut Staatsanwaltschaft rannte der Verdächtige auf die Beamten zu und an ihnen vorbei und sprühte dabei Reizgas auf den jetzt angeklagten 27-jährigen Polizisten. Ein Messer setzte er aber nicht ein. Den Ermittlungen zufolge schoss der Polizist in dieser Situation fünfmal und traf den Mann mindestens dreimal von hinten.

"Schwierige Aufgabe"

Landesinnenministerin Daniela Behrens (SPD) bezeichnete die Anklage als Zeichen für einen funktionierenden Rechtsstaat. "Die Ermittlungsbehörden in Niedersachsen arbeiten unabhängig, unvoreingenommen und rechtskonform", erklärte sie in Hannover. "Ausschließlich das Gericht hat nun die schwierige Aufgabe, die Abläufe dieser verhängnisvollen Nacht möglichst lückenlos zu rekonstruieren und Recht zu sprechen." Es gilt die Unschuldsvermutung.

Behrens wies außerdem "viele der pauschalen Vorwürfe in Richtung Polizei und Staatsanwaltschaft" zurück. Das gelte "bei allem Verständnis für die Trauer und die Wut", die der Tod des 21-Jährigen ausgelöst habe. Der Fall habe bis heute "Auswirkungen auf die gesamte Polizei in Niedersachsen", so die Innenministerin.

{title && {title} } red, {title && {title} } 05.11.2025, 12:15
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