Polizist verweigert Opfer Hilfe, Macron hört alles

Im Kampf gegen häusliche Gewalt besuchte Frankreichs Präsident Macron eine Nothilfe-Hotline für Frauen. Dort erlebte er, wie schlecht die Polizei zu diesem Thema geschult ist.
Nachdem Frauenrechtsorganisationen einen dramatischen Anstieg von "Femiziden", also Tötungen von Frauen durch ihren Lebensgefährten, beklagt hatten, hat die französische Regierung ein Maßnahmenpaket gegen häusliche Gewalt angekündigt. Als Zeichen seines Kompromisses besuchte Präsident Emmanuel Macron die nationale Hotline für häusliche Gewalt und hörte die Anrufe bedrohter Frauen live mit. So konnte er in Echtzeit mit anhören, wie ein Polizeibeamter sich weigerte, einer gefährdeten Frau zu helfen.

Am Apparat war eine 57-jährige Frau, die sich von ihrem Ehemann bedroht fühlte. Nach Jahren zunehmenden Missbrauchs habe sie nun Angst, dass ihr Mann sie umbringen könnte. Darum habe sie flüchten müssen und befinde sich gerade auf einem örtlichen Polizeiposten. Dort habe sie ihre Situation geschildert und einen Polizisten gebeten, sie nach Hause zu begleiten, um einige Besitztümer zu holen, berichtet der Sender BFMTV. Doch der Beamte weigere sich, gab die Frau an.

Polizist weigert sich bis am Schluss, der Frau zu helfen



"Sie sind auf der Polizeistation? Sie sind in Gefahr, weil Ihr Mann zu Hause ist. Die Polizei kann Sie aber begleiten", versicherte die Hotline-Mitarbeiterin. Daraufhin erklärte die Frau einmal mehr, dass der Polizist nicht willig sei, ihr zu helfen. Macron sagte nichts, schüttelte nur den Kopf. "Doch, er muss einer Person in Not helfen", beharrte die Hotline-Mitarbeiterin und bat darum, mit dem Polizisten zu sprechen.

CommentCreated with Sketch.10 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Der Rest des Gesprächs dauerte rund 15 Minuten. Dabei versuchte die Hotline-Mitarbeiterin vergeblich, den Gendarmen zu überreden, dem Opfer zu helfen. Der Polizist bestand darauf, dass es nicht seine Aufgabe sei, einzuschreiten. Offenbar konnte er nicht ahnen, dass Macron zuhörte. Er meinte – fälschlicherweise – sogar, dass er eine gerichtliche Anordnung benötige, um die Frau zu begleiten.

Solche Situationen kommen immer häufiger vor



Macron schüttelte erneut den Kopf und schrieb eine Notiz, die er der Hotline-Mitarbeiterin übergab. "Es ist die Aufgabe des Polizisten, sie zu beschützen, wenn ein klares Risiko besteht", stand darauf. Die Hotline-Mitarbeiterin insistierte einmal mehr. "Diese Frau ist vom Tod bedroht. Werden Sie so lange warten, bis sie tatsächlich getötet wird?" Aber der Polizist lenkte nicht ein.

Als der Anruf beendet war, fragte Macron, sichtlich verärgert: "Kommt das oft vor?" Die Hotline-Mitarbeiterin, die seit über 20 Jahren dort arbeitet, sagte: "Oh ja, immer häufiger."

In diesem Jahr zählten die Behörden bereits 100 solche Fälle in Frankreich, im gesamten vergangenen Jahr waren es 121. Frauenrechtsorganisationen verlangen einen "Marshall-Plan" gegen Gewalt an Frauen, der bis zu eine Milliarde Euro an Hilfen umfassen soll. Nach Ansicht der Organisationen sind mindestens 2000 zusätzliche Plätze in Hilfseinrichtungen nötig – also doppelt so viele, wie die Regierung nun angekündigt hat.

(kle/20 Minuten)

Nav-AccountCreated with Sketch. kle TimeCreated with Sketch.| Akt:
FrankreichNewsWeltGewaltEmmanuel Macron

ThemaCreated with Sketch.Mehr zum Thema