Seit Monaten klagen Bewohner der Wiener Innenstadt über stundenlange Autokolonnen, aufheulende Motoren und Abgase bis tief in die Nacht. Jetzt nehmen die Anrainer die Sache selbst in die Hand.
Samstagnacht soll vor dem Haus Tuchlauben 22 die Straße für einen Protest gesperrt werden. Dort, wo sonst Luxusautos Stoßstange an Stoßstange im Schritttempo unterwegs sind, stellen die Bewohner einen großen Tisch mitten auf die Fahrbahn.
"Jeder bringt Essen und Getränke mit, gemeinsam setzen wir ein kräftiges Zeichen gegen die Poser-Szene", sagt eine Anrainerin zu "Heute".
Die Sperre trifft die Szene an einer entscheidenden Stelle. Die bekannte Runde über Tuchlauben, Brandstätte und Rotenturmstraße kann während des Protests nicht befahren werden.
Genau dort rollen jedes Wochenende bis nach Mitternacht hochmotorisierte Autos stundenlang im Kreis durch die Innenstadt.
Die Initiatoren erzählen: "Immer wieder setzen sich auch Passanten spontan an den Tisch und diskutieren mit."
Unterstützung kommt laut den Anrainern sogar von einer Gruppe, die ebenfalls unter dem Dauerstau leidet: den Taxifahrern.
Sie könnten ihre Fahrgäste an Wochenenden oft nicht mehr direkt ans Ziel bringen, weil die engen Gassen regelmäßig von den Autokolonnen blockiert seien. Deshalb werde der Protest von vielen Taxilenkern ausdrücklich begrüßt.
Bereits gegenüber "Heute" schilderten Bewohner die Situation als unerträglich. Woche für Woche stauten sich die Fahrzeuge von der Tuchlauben über die Brandstätte bis zum Stephansplatz und weiter in die Rotenturmstraße.
"Das ist kein normaler Verkehr", sagte Anrainer Wilhelm L. Damals berichtete er von hochmotorisierten BMW, Mercedes und Audi, die stundenlang im Stop-and-go-Verkehr durch die Innenstadt rollen würden. "8 Zylinder im Schritttempo, furchtbar!"
Die Wiener Polizei führte zuletzt mehrfach Schwerpunktaktionen gegen die Poser-Szene durch. Trotz Dutzender Anzeigen und zahlreicher beanstandeter Fahrzeuge, sagen die Anrainer, habe sich an der Situation wenig geändert.
Jetzt setzen sie alles auf den Protest: "Je mehr Menschen wir sind, desto schwieriger wird es, unser Anliegen zu ignorieren – und desto schneller können wir gemeinsam etwas verändern."