Life

Psychisch krank: Die nächste Generation

Heute Redaktion
14.09.2021, 03:25

Tausende Kinder und Jugendliche sind in Österreich bedroht, psychische Leiden allein deshalb zu entwickeln, weil schon ein Elternteil krank ist. Im Bundesland Salzburg dürften es 6.000 Kinder und Jugendliche sein. Prävention und Hilfe für die Betroffenen fehlen oft, hieß bei einem Symposium der Klinische Abteilung für Sozialpsychiatrie der MedUni Wien am AKH.

Tausende Kinder und Jugendliche sind in Österreich bedroht, psychische Leiden allein deshalb zu entwickeln, weil schon ein Elternteil krank ist. Im Bundesland Salzburg dürften es 6.000 Kinder und Jugendliche sein. Prävention und Hilfe für die Betroffenen fehlen oft.

 Brigitte Schmid-Siegel von der Abteilung für Sozialpsychiatrie der MedUni:  "Psychisch kranke Eltern sind aufgrund ihrer eigenen Belastungen, Defiziten, Scham und Angst oft nicht in der Lage, die Belastungen ihrer Kinder wahrzunehmen".

Das bedeutet für Heranwachsende enorme Schwierigkeiten: Berufstätig sind in Österreich nur etwa die Hälfte der psychisch Kranken. Das lässt die Familien oft in die Armut rutschen.

Außerdem können sich Kinder oft nicht erklären, warum Mutter oder Vater – bei chronischer Erkrankung oder wiederkehrenden Episoden – ein verändertes Verhalten aufweisen.

Eltern krank, Kinder krank

Die Salzburger Experten versuchten, aufgrund einer Befragung den Kreis der potenziell Betroffenen in ihrem Bundesland abzuschätzen: Sie kamen auf rund 6.000 Kinder in Salzburg allein. In Österreich sind es somit sicher einige Zehntausend – mit einem hohen Erkrankungsrisiko, weil auch schon ihre Eltern psychisch krank sind.

Stellig-Schöler: "Eine psychische Erkrankung eines Elternteils bedeutet das zwei- bis vierfache Risiko für Auffälligkeiten bei den Kindern."

Fehlende Hilfe

Notwendig wären unterstützende und aktive Hilfsangebote für Familien mit psychisch Kranken. Betroffene Eltern bzw. Elternteile und ihre Kinder sollten in Beratungs- und unterstützenden Gesprächen lernen können, mit dem Problem umzugehen.

Besonders wichtig: Die Kinder sollten in dem Bewusstsein aufwachsen, dass sie nicht an der psychischen Erkrankung ihrer Mutter oder ihres Vaters "schuld" sind, dass die Krankheiten behandelbar sind – und sich auch wieder bessern.

Hier gibt es in Österreich nur wenige spezialisierte Hilfsangebote. In Finnland hingegen hat man wegen der Depressionen als echtes Volksleiden alle Fachkräfte (Gesundheits- und Sozialbereich, Anm.) für den Umgang mit solchen Familien geschult.

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