Seit Anfang der Woche kann man sich in Niederösterreich über die Plattform "psyhelp" für eine klinisch-psychologische Behandlung als Kassenleistung anmelden. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) inanziert ein begrenztes Kontingent an Therapieeinheiten. In kürzester Zeit haben sich Hunderte Menschen online registriert, davon etwa 90 Personen in Niederösterreich.
Wie Beate Wimmer-Puchinger, Präsidentin des c Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP), gegenüber dem ORF berichtet, ist Anstieg bei Registrierungen derzeit ungebremst: "Es werden täglich mehr", sagt sie.
Auf "psyhelp", der nationalen Plattform, muss man eine Bestätigung des Hausarztes und andere Dokumente hochladen, die bestätigen, dass akuter Bedarf besteht. Während gegenwärtig unzählige Voranmeldungen hochgeladen werden, melden sich auch immer mehr klinische Psychologinnen und Psychologen, die behandeln wollen. Rund 500 in ganz Österreich waren es noch zu Jahresende 2025 – mittlerweile ist auch diese Zahl deutlich angestiegen.
Auch seitens der Psychologinnen und Psychologen zeigt sich großes Interesse – in Niederösterreich haben sich bereits mehr als 100 gemeldet. Es werden laufend mehr, sagt Viola Ghavidel, die operative Leiterin von "psyhelp". Eine endgültige Zahl liege naturgemäß noch nicht vor, doch: "Wir werden dafür sorgen, dass wir eine Flächendeckung erreichen."
Wie lange die Wartezeit auf einen Kassenplatz sein wird, lässt sich noch nicht abschätzen. "Das hängt davon ab, wie groß der Andrang sein wird und wie viele Einheiten pro Person gebraucht werden", sagt Ghavidel dazu und fügt an, dass es momentan so aussähe, als würde es für Patientinnen und Patienten recht rasch gehen. "Unser Ziel sind dann etwa zwei bis drei Wochen Wartezeit", kommentiert Berufsverbandspräsidentin Wimmer-Puchinger.
In ganz Österreich sollen von 2026 bis 2029 jährlich 120.700 klinisch-psychologische Behandlungseinheiten kostenfrei zur Verfügung stehen. Dabei gibt es einen Verteilungsschlüssel für die Bundesländer. Die Aufteilung richte sich nach der Bevölkerungszahl und orientiere sich am Bedarf. Noch steht nicht fest, wie viele Einheiten auf NÖ entfallen: "Wir haben momentan noch zu wenige Daten, um zu sagen, wie hoch der Bedarf ist und welche regionalen Unterschiede es gibt", gibt Wimmer-Puchinger zu bedenken. Es müsse laufend neu evaluiert werden.
Eine Herausforderung – besonders in einem großen Bundesland wie Niederösterreich: Es gelte den Anfahrtsweg so kurz wie möglich zu halten. Bei der Anmeldung müssen Interessierte ihre Adresse angeben. "Wir schauen uns dann jeden einzelnen Fall an und versuchen, die Fahrtzeit unter 30 Minuten zu halten", sagt Viola Ghavidel. Sollte der Weg länger als 45 Minuten dauern, werde gemeinsam mit den Betroffenen nach einer Lösung gesucht.
Auch andere Wünsche, wie das Geschlecht der behandelnden Psychologin, ob ein Auto oder den Öffis benutzt werden, versuche man zu berücksichtigen: "Viele geben auch ihre Arbeitsadresse an, damit sie den Termin mit dem Weg in die Arbeit verbinden können."
Nach rund 100 Tagen soll ein erstes Fazit gezogen werden, wie hoch der Bedarf in den verschiedenen Bundesländern wirklich ist. Genügend klinische Psychologinnen und Psychologen gäbe es jedenfalls, verspricht die Präsidentin des BÖP. Die Frage sei eher, ob die finanzierten Behandlungseinheiten ausreichen. Denn, so sagt Wimmer-Puchinger: "Der Bedarf ist groß und der wird bei der Weltlage derzeit so schnell nicht weniger werden."