Kremlchef Wladimir Putin hat den Militäreinsatz auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim vom Föderationsrat, dem Oberhaus des russischen Parlaments absegnen lassen. Das meldete die Agentur Interfax am Samstag in Moskau. In der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkow haben prorussische Kräfte das Gebäude der Gebietsverwaltung besetzt. Den endgültigen Marschbefehl habe er allerdings noch nicht erteilt, ließ er über einen Sprecher ausrichten.
vom Föderationsrat, dem Oberhaus des russischen Parlaments absegnen lassen. Das meldete die Agentur Interfax am Samstag in Moskau. In der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkow haben prorussische Kräfte das Gebäude der Gebietsverwaltung besetzt. Den endgültigen Marschbefehl habe er allerdings noch nicht erteilt, ließ er über einen Sprecher ausrichten.
um einen Militäreinsatz auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim zugestimmt. Das meldete die Agentur Interfax am Samstag in Moskau. Er wolle die Armee in dem Nachbarland einsetzen, bis sich die politische Lage wieder normalisiert habe, wurde Putin in einer Erklärung des Kremls zitiert.
Zur Begründung für seinen Antrag an den Senat, das Oberhaus des Parlaments, nannte der Staatschef die "außergewöhnliche Lage" in der Ukraine und eine "Bedrohung" für die dort lebenden russischen Staatsbürger.
Marschbefehl noch nicht gegeben
Putin will seinen Befehl für einen Militäreinsatz auf der Krim von der weiteren Lage auf der Halbinsel abhängig machen. Das teilte Putins Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge am Samstag dem russischen Staatsfernsehen mit. Putin habe nun alle Vollmachten, um einzuschreiten.Der nun mögliche Marschbefehl sei noch nicht erteilt, betonte Peskow. Putin entscheide auch über Größe des etwaigen Kontingents. "Natürlich wird er diese Entscheidung fällen unter der Berücksichtigung, wie sich die Situation entwickelt", sagte Peskow.
Charkow von prorussischen Kräften besetzt
Bei Protesten gegen die neue ukrainische Regierung haben in der zweitgrößten ukrainsichen Stadt Charkow prorussische Kräfte das Gebäude der Gebietsverwaltung besetzt. Sie vertrieben am Samstag regierungstreue Kräfte, die das Haus im Zuge monatelanger Massenproteste in Kiew besetzt hatten.
Aktivisten hissten auf dem Gebäude die russische Flagge sowie die Fahne von Charkow. "Charkow und Russland!" riefen sie bei der Aktion. Die Polizei schritt nicht ein. Bei gewalttätigen Zusammenstößen gab es mehrere Verletzte. Überall rissen prorussische Aktivisten ukrainische Flaggen von Regierungsgebäude und hissten stattdessen russische.
Erste russische Pässe ausgestellt
Im russischen Konsulat in der Krim-Stadt Simferopol wurden indes bereits erste russische Reisepässe ausgestellt. Unter den ersten, die einen solchen erhielten, waren Offiziere und Mitglieder der ehemaligen ukrainsichen Polizei-Spezialeinheit "Bercut".
Unaufhaltsamer Truppenaufmarsch
Der Aufmarsch der russischen Truppen geht derweil unaufhaltsam weiter. Bei Balaklawa nahe Sewastopol haben russische Armeekräfte eine ukrainische Militärbasis besetzt. Um welche Truppenstärke es sich handelte, war zunächst nicht klar.
Russland hat in der Krim-Stadt Sewastopol seine Schwarzmeerflotte stationiert. Die Erlaubnis eines Militäreinsatzes könnte sich auf dieses Kontingent beziehen, nähere Angaben dazu gab es aber zunächst nicht. Ukrainische Behörden hatten zuvor behauptet, es seien 2.000 russische Soldaten auf der Krim gelandet.
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Schon lange ist die Krim zwischen Russen und Ukrainern umstritten. Seit dem Sturz des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch am 22. Februar haben sich die Spannungen auf der prorussisch geprägten Schwarzmeer-Halbinsel dramatisch verschärft. Ein Rückblick:
26. Februar: Wenige Tage nach dem Umsturz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew geraten auf der Krim Anhänger und Gegner einer Annäherung an Russland aneinander. Tausende Krimtataren demonstrieren gegen eine Abspaltung der autonomen Republik. Prorussische Demonstranten fordern die engere Anbindung an Moskau.
27. Februar: Bewaffnete besetzen Regionalparlament und Regierungsgebäude in der Hauptstadt Simferopol - um die russische Bevölkerung auf der Krim zu verteidigen, wie sie sagen. Das prorussische Krim-Parlament spricht sich für eine Volksbefragung über die Autonomie der Region im Mai aus und setzt die Regierung ab.
28. Februar: In bereits kämpferisch gezeigt. Er sei nicht abgesetzt, die neue Regierung illegal, so Janukowitsch. Er warnte jedoch vor Blutvergießen auf der Krim.
Eine bewaffnete prorussische Gruppe besetzt kurzzeitig den Flughafen der Hauptstadt. Das ukrainische Parlament appelliert an Moskau, alles zu unterlassen, was die territoriale Einheit des Landes gefährde. Nach ukrainischen Berichten sind auf der Krim russische Militärmaschinen mit rund 2.000 Soldaten gelandet. Interimspräsident Alexander Turtschinow spricht von einer "militärischen Invasion" unter dem Deckmantel einer Übung.
1. März: Der moskautreue neue Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow übernimmt vorübergehend die Befehlsgewalt und bittet Kremlchef Wladimir Putin um Beistand. Er zieht das Referendum über die Zukunft der Krim auf den 30. März vor. Die russische Staatsduma ruft Putin auf, der neuen Regierung auf der Krim Beistand beim Schutz der Bürger zu leisten.
Die prorussische Krim-Regierung und die auf der Halbinsel stationierte russische Schwarzmeerflotte vereinbaren eine Zusammenarbeit bei der Sicherung der öffentlichen Ordnung. Nach Einschätzung des ukrainischen Verteidigungsministeriums hat Russland seine militärische Präsenz inzwischen auf 6.000 Soldaten verstärkt.