Fussball

Querfeld auf der Suche nach dem perfekten Bibel-Psalm

Am Sonntag steigt das 339. Derby. Rapid-Youngster Leopold Querfeld spricht im "Heute"-Interview über den Austria-Fluch, Gott, die Matura und Kaffee.

Erich Elsigan
Leopold Querfeld
Leopold Querfeld
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Leopold Querfeld ist ein vielbeschäftigter Mann. Der 19-Jährige ist Stammspieler bei Rapid und bereitet sich parallel auf die Matura im Juni vor. Auch fürs Zubereiten von Kaffee, seinen Glauben und das Bemalen von Schuhen bleibt Zeit. Plus: Vor dem Derby schaufelte der Youngster kostbare Minuten für ein "Heute"-Interview frei.

Herr Querfeld, Meister-Playoff mit Rapid, nebenbei lernen Sie für die Matura. Wie geht sich das aus?

"Es ist gar nicht so leicht zu koordinieren. Ich bin auch jetzt gerade auf dem Weg zur Schule. Rapid hat zum Glück eine Kooperationsschule, die es ermöglicht, Training, Spiele und schulische Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen. Außerdem hatte ich auch nie Probleme in der Schule. Deshalb fällt es mir auch jetzt nicht so schwer. Natürlich unterstützen mich meine Mitschüler und Lehrer, damit ich die Sachen zugeschickt bekomme und ich daheim allein lernen kann. Als Fußballer hat man ja nicht nur Training, sondern auch freie Nachmittage. Die nutze ich oft, um zu lernen. Ich weiß nicht, wie lange es noch funktionieren würde, aber die letzten eineinhalb Jahre hat es gut geklappt."

Wann haben Sie die letzte Prüfung?

"Die letzte mündliche Prüfung ist Anfang Juni. Es ist ein Ende in Sicht."

Gibt es Fächer, die Ihnen weniger gut liegen?

"Eigentlich nicht. Auf die letzten Schularbeiten in allen Hauptfächern habe ich überall eine Zwei geschrieben."

Eine sehr schwere Prüfung steht am Sonntag um 17 Uhr auf dem Stundenplan. Die Austria kommt. Rapid hat im Allianz Stadion noch nie ein Derby gewonnen. Könnt ihr dem Spuk ein Ende bereiten?

"Wenn ich nicht dran glauben würde, bräuchten wir nicht antreten. Ich bin sehr überzeugt, dass wir das endlich schaffen. Das ist ein großes Ziel. Nicht nur für die Fans, auch für uns Spieler. Wir wollen beweisen, wer die Nummer eins in Wien ist. Wir sollten aber vielleicht im Vorfeld nicht so viel darüber sprechen, sondern Taten folgen lassen."

Ist so eine Negativ-Statistik Motivation oder Blockade?

"Für mich eher Motivation. Ich freue mich wirklich extrem auf Sonntag, für solche Spiele wurde ich Fußballer."

Das letzte Duell im März ging mit 0:2 verloren. Welche Lehren habt ihr daraus gezogen?

"Da waren viele Dinge dabei, die nicht so gepasst haben. Die ganze Performance hat nicht gereicht für ein Derby. Aber es ist jetzt doch schon ein paar Wochen her. Ich war danach beim U21-Nationalteam, in Wien wurde die Partie aufgearbeitet. Auch ich habe meine Szenen zugeschickt bekommen. Im Großen und Ganzen braucht es einfach eine andere Leistung."

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    Auch auf der Tribüne ging es rund – Stichwort Leuchtraketen. Grundsätzlich: Motiviert Sie als Spieler Pyrotechnik?

    "Bengalische Feuer passen zur Atmosphäre. Ich bin quasi im Rapid-Stadion aufgewachsen, da hat Pyrotechnik immer dazugehört, damit wird die Stimmung aufgeheizt. Aber natürlich geht es nicht, dass sich Leute verletzen oder die Gesundheit von Menschen aufs Spiel gesetzt wird. Das steht definitiv nicht dafür."

    Sie sind ein Aufsteiger dieser Saison, haben sich einen Stammplatz beim Rekordmeister erkämpft. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

    "Es freut mich natürlich extrem, dass ich ein Jahr nach meinem Liga-Debüt schon so viele Spiele von Anfang an machen darf. Wir hatten einen schweren Herbst. Als wir uns da rausgekämpft haben, haben wir uns als ganze Mannschaft enorm weiterentwickelt. Jetzt heißt es, auch gegen die großen Teams die Punkte zu holen. Wir haben gegen Salzburg und Sturm gezeigt, dass wir auf Augenhöhe sein können, wir müssen aber klüger agieren. Viele Tore haben wir uns selbst geschossen, gleichzeitig haben wir unsere Chancen zu wenig genutzt. Wir müssen kaltschnäuziger sein."

    Sie haben im Februar Ihren Vertrag bis 2025 verlängert. Welches Argument hat Sie am Ende überzeugt?

    "Es haben mehrere Dinge dafür gesprochen. Ich habe dem Verein viel zu verdanken. Ich kenne bei diesem Klub jeden, bin seit meinem neunten Lebensjahr hier. Für mich ist es einfach der nächste Entwicklungsschritt, ich habe noch nicht ausgelernt bei Rapid, muss meine Position erst festigen."

    Sie sind sehr gläubig, beschäftigen sich mit der Bibel. Beten Sie vor wichtigen Spielen, gehen Sie am Sonntag vor dem Anpfiff in den Rapid-Andachtsraum?

    "Ja, ich bete tatsächlich vor jedem Spiel. Ich bete jeden Tag in der Früh und am Abend. Ich schaue, dass ich jeden Sonntag in die Kirche gehe. Momentan geht das natürlich nicht so regelmäßig, weil wir im oberen Play-off immer am Sonntag spielen. Ich nutze auch den Andachtsraum in unserem Stadion, der ist schon sehr cool, das gibt es nicht so oft."

    "Das freut mich. Weil bei Auswärtsspielen suche ich immer nach Möglichkeiten, mich zurückzuziehen, um Gebete sprechen zu können."

    Das heißt, Sie beten tatsächlich direkt vor dem Ankick?

    "Ja. Meistens ziehe ich mich um und gehe dann gleich in den Andachtsraum."

    Haben Sie für jedes Spiel einen eigenen Bibel-Vers? Welcher wird es für das Austria-Spiel?

    "Für das Derby ist es Psalm 89. Ich schreibe mir immer im Nachhinein auf, wie das Spiel ausgegangen ist. Und das Ziel wäre es, einen Psalm zu finden, mit dem ich jedes Spiel gewinne."

    Haben Sie ein sportliches Vorbild?

    "Ich würde nicht Vorbild sagen, aber es gibt Inspirationen. Auf meiner Position denke ich da an Virgil van Dijk, der ein kompletter Innenverteidiger ist. Vor allem in der Saison, als Liverpool die Champions League gewonnen hat, war er überragend."

    Herr Querfeld, trinken Sie eigentlich Tee oder Kaffee in der Früh? Ihrer Familie gehört bekanntlich das berühmte Café Landtmann.

    "In letzter Zeit tatsächlich öfter Tee, weil es in der Früh gleich zum Training geht. Kaffee trinke ich lieber, wenn ich Zeit habe und ich mich gemütlich hinsetzen kann. Generell würde ich mich aber schon eher für Kaffee entscheiden."

    Wie schmeckt der Kaffee im Rapid-Trainingszentrum? Kann er mit dem Landtmann mithalten?

    "Er schmeckt schon gut. Aber ich muss gestehen, dass ich trotz meines Familienhintergrunds nicht der größte Feinschmecker bin. Ich mag fast alle Kaffees. Am besten ist er daheim, wenn ich ihn selbst mache. Ich habe eine Geheimformel, wie ich meinen Sojamilchschaum zubereite. Den bekomme ich nicht mal im Landtmann so. Wobei es auch dort alternative Milch gibt."

    Haben Sie eine spezielle Kaffeemaschine daheim?

    "Ich wohne noch bei meinen Eltern. Wir hatten lange eine Kapselmaschine. Die wurde dann in der Coronazeit ausgetauscht. Jetzt haben wir eine sehr coole Siebträgermaschine. Die ist nicht so leicht zu bedienen, man muss sich damit beschäftigen. Welche Temperatur hat das Wasser, wie viel Druck und so weiter. Das ist schon eine Challenge."

    Eines Ihrer Hobbys ist es, Sneakers anzumalen. Betreiben Sie das nach wie vor? Auf der Instagram-Seite tut sich seit geraumer Zeit recht wenig.

    "Man darf gespannt sein, es wird bald Neues zu diesem Thema geben. Mehr will ich noch nicht verraten."

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