Nach Rackete-Urteil: Richterin wird angefeindet

Die Freilassung der "Sea Watch"-Kapitänin Carola Rackete durch eine Untersuchungsrichterin hat nun unangenehme Folgen für die Juristin.
Am Dienstag ordnete die sizilianische Untersuchungsrichterin Alessandra Vella die Freilassung der "Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete an. Dafür wurde sie unter anderem von Italiens Innenminister Matteo Salvini heftig kritisiert. So nannte der im rechten Lager verortete Salvini den Richterspruch ein "Urteil der Schande".



Mittlerweile hat Vella ihre Facebook-Seite deaktiviert, weil die Zahl von groben Beleidigungen gegen die Juristin Überhand genommen hatten. Auch aus Deutschland gab es Kritik an Rackete. Die für die AfD im Bundestag sitzende Beatrix von Storch nannte die Kaptitänin "kriminell".

Solidarität erfährt die Richterin durch den italienischen Richterverband ANM (Associazione nazionale magistrati). Dieser kritisiert wiederum Salvini. Dieser würde durch seine Wortmeldungen zum Urteil ein "Klima des Hasses und der Abneigung" gegenüber Richtern schüren. Die Vereinigung forderte Schutzmaßnahmen für die Richterin.

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Auch die betroffene Kapitänin Carola Rackete selbst erfuhr in den letzten Tagen Drohungen. Sie hält sich an einem nicht bekannten Ort auf, wo sie auf ihr Verfahren wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung wartet. Dieses wird für Dienstag erwartet.

Die Richterin entließ Rackete am vergangene Dienstag aus dem Hausarrest, weil sie die Auffassung vertrat, dass die Kapitänin "in Erfüllung ihrer Pflicht" gehandelt habe. Es sei rechtens gewesen, Lampedusa als nächsten "sicheren Hafen" anzusteuern. Auch dass sie beim Einlaufen in den Hafen ein anderes Schiff berührt habe, sei nicht illegal gewesen.





In Wien waren am Dienstagabend übrigens rund 3.000 Personen auf der Straße, die sich mit der Seenotretterin solidarisch zeigten und ihre Freilassung forderten. Noch während die Kundgebung in Gange war, wurde die Freilassung Racketes vermeldet.



Im Rahmen des Staatsbesuchs von Italiens Präsident Sergio Mattarella äußerte sich auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen zur Causa. Er verteidigte das Handeln Racketes.



(mr)

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