Ein an sich harmloses Adenovirus, das normalerweise leichte Erkältungen auslöst, ist vermutlich für die rätselhaften Hepatitis-Erkrankungen verantwortlich, die seit Mai diesen Jahres in 35 Ländern bei mehr als 1.000 Kindern beobachtet wurden und die etliche Lebertransplantationen notwendig gemacht haben und zu einigen Todesfällen führten. Auch Kinder in Österreich waren erkrankt.
Die Ergebnisse zweier getrennter Studien (hier die erste, hier die zweite) deuten darauf hin, dass der Schlüssel das Adeno-assoziierte Virus 2 (AAV2) ist. Das ist ein Erreger, der normalerweise selbst keine Krankheit verursacht, aber häufig eine Infektion mit Adenoviren begleitet. In den Studien, die von Teams in Schottland und London durchgeführt wurden, wurden Blutproben von Kindern mit akuter Hepatitis sowie Leberproben von Kindern untersucht, die so schwer erkrankt waren, dass eine Lebertransplantation erforderlich war. AAV2, das sich im menschlichen Körper nicht ohne ein "Helfer"-Virus vermehren kann, wurde in beiden Studien in 96 Prozent der Fälle von ungeklärter Hepatitis gefunden. Das Virus wurde im Blut und in der Leber der Patienten gefunden und vermehrte sich in der Leber. Außerdem haben die infizierten Kinder eine Genvariante, die eine Überreaktion des Immunsystems begünstigt.
In den Kontrollgruppen, die sich aus Kindern zusammensetzten, die keine akute Hepatitis hatten, war AAV2 entweder nicht oder nur in sehr geringen Mengen vorhanden. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die gleichzeitige Infektion mit AAV2 und - entweder - einem Adenovirus oder dem Herpesvirus HHV6 wahrscheinlich für den Ausbruch der akuten pädiatrischen Hepatitis verantwortlich ist.