Archäologen haben in der slowakischen Siedlung Vráble einen spektakulären Fund gemacht: Sie stießen auf die Überreste von 77 Menschen, deren Skelette allesamt ohne Schädel geborgen wurden. Der Fund stammt aus der Zeit der sogenannten Linearbandkeramischen Kultur vor etwa 7.000 Jahren.
Die Siedlung besteht aus über 300 Hausgrundrissen, die sich auf drei Bereiche verteilen. Schätzungen zufolge lebten dort zeitweise bis zu 80 Familien gleichzeitig. Die Siedlung war über mehrere Jahrhunderte hinweg bewohnt und datiert in die Zeit zwischen 5250 und 4950 vor Christus.
Die Entdeckung überraschte die Forscher, da bislang keine Hinweise auf ein Massaker oder eine kollektive Hinrichtung vorliegen. Vielmehr gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Schädel gezielt und fachkundig entfernt wurden. Lediglich das Skelett eines Kindes blieb unversehrt.
Die genaue Ursache für diese Praxis ist bislang ungeklärt. Laut der biologischen Anthropologin Katharina Fuchs von der Universität Kiel könnten rituelle Gründe oder gesellschaftliche Krisen dahinterstecken. Es gibt Hinweise, dass in vergleichbaren Kulturen Schädel separat aufbewahrt wurden, auch wenn dies für Vráble bisher nicht direkt nachgewiesen werden konnte.
Der Mitautor der Studie, Nils Müller-Scheeßel, vermutet, dass die Niederlegung von Leichnamen und Körperteilen Teil komplexer und wiederkehrender Rituale gewesen sein könnte. Die Funde werfen neue Fragen zu den Bestattungspraktiken und sozialen Strukturen der damaligen Gemeinschaft auf.
Im Rahmen des Forschungsprojekts „Neolithic Bodies“ werden die Knochen nun weiter untersucht. Ziel ist es, das Alter und Geschlecht der Verstorbenen zu bestimmen und die Schnittspuren an den Halswirbeln detailliert zu analysieren. Die Ergebnisse könnten helfen, das Rätsel der kopflosen Skelette zu lösen.