Rage 2 im Test: Doom und Mad Max haben ein Kind

Bethesdas neuer Action-Shooter Rage 2 überzeugt mit verrückten Gegnern, heftigen Explosionen und toller Grafik. Multiplayer bleiben aber auf der Strecke.
Mit Rage 2 veröffentlicht Bethesda auf PC, Playstation 4 und Xbox One einen, wenn nicht den spannendsten, Shooter des Jahres 2019. Rage 2 präsentiert sich dabei als bunter Mix aus Doom und Mad Max – nicht nur beim Gameplay. Schließlich zeichnen sich die Avalanche Studios und id Software als Entwickler verantwortlich – ersteres Studio liefert unter anderem die Apex Engine fürs Spiel, die schon Mad Max antrieb, letzteres Studio ist bekannt für die Doom-Kracher.

Warum die Wahl auf die Apex Engine und nicht id Tech fiel, dürfte an der Natur von Rage 2 liegen. Es handelt sich anders als bei Doom um einen Open-World-Titel. Dass die Avalanche Studios damit umzugehen wissen, haben auch schon Just Cause 4, Generation Zero oder The Hunter: Call of the Wild gezeigt. id Software ergänzt das Ganze um das, was man perfekt kann: Shooter-Bombastik, wie die Serien Doom oder Quake beweisen.

In einem Punkt aber unterscheidet sich Rage 2 auf den ersten Blick deutlich von den zuvor genannten Shootern: Es geht weit bunter, knalliger und witzig-wahnsinniger zu, als man es von den Studios bisher kannte. Will man einen Vergleich ziehen, so würde Rage 2 mit dem verwüsteten Ödland, schrillen Charakteren und vielen Waffen eher einem Borderlands-Titel gleichkommen.

Story ist eher Nebensache

In Rage 2 schlüpft der Spieler in die Rolle von "Walker", einem nach Wahl weiblichen oder männlichen Ranger, der nicht nur einer der letzten Überlebenden der Erde ist, sondern auch gegen die mächtige Gruppe namens Authority ums Überleben kämpft. Ein Asteroideneinschlag hat auf dem Planeten so gut wie alles Leben ausgelöscht, nur wenige Menschen haben überlebt, dafür haben sich gefährliche Mutanten entwickelt und die Authority unter General Martin Cross trachtet weiter nach der Macht. Alles spielt sich etwa 30 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils ab.

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CommentCreated with Sketch.1 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Zwar bietet die Story mit den unzähligen durchgeknallten Figuren eigentlich Hit-Potenzial, sie bleibt aber über die 25 Spielstunden (zehn, wenn man nur die Hauptquests verfolgt) leider flach und gerät zur Nebensache. Umso spannender ist der Gameplay-Einstieg: Nach einem extrem actiongeladenen Auftakt gibt es ein schnelles, aber auch kurzweiliges Tutorial für die wichtigsten Steuerbefehle. Danach kann auch schon der Spieler selbst seinen Weg bestimmen, denn es gibt fast von Anfang an mehrere Story-Stränge, die der Spieler auf seine Art und Weise abhandeln kann. Grob strukturiert wird dies über drei Nebenfiguren, für die man Aufträge erfüllt und so nach und nach in der Handlung fortschreitet.

Eine gewaltige offene Welt

Die Spielwelt von Rage 2 kann aber auch abseits der Hauptmissionen erkundet werden – und das nicht zu knapp. Die frei begehbare Welt ist massiv groß ausgefallen und an jeder Ecke sind Dutzende Nebenquests und Aktivitäten zu finden. Zwar spielt sich der Großteil des Geschehens in einer Umgebung aus Sand und Felsen ab, Rage 2 lässt aber auch die Abwechslung nicht vermissen. So findet man sich auch schon mal in düsteren Tunnel-Systemen oder beschaulichen Wäldern mit Seen wieder.

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So groß die Abwechslung bei den Umgebungen ausgefallen ist, so sehr vermisst man sie noch bei den Missionen. Meist spricht man mit einem Charakter, erledigt für diesen eine "Aufgabe", die sehr oft aus dem Töten einiger Gegner besteht, und holt sich daraufhin eine neue Mission, die ebenso abläuft. Auch deswegen fehlt es irgendwann an der Motivation, den Figuren bei ihren Dialogen zuzuhören. Schade, denn die Charaktere sind überragend vertont und grafisch ein echter Hingucker.

Große Stärke ist das Gameplay

Zum Glück nutzt sich die Action selbst nicht ab, und das auch nicht nach Stunden. Denn hier findet man alles, was man an anderen Shootern so schätzt: Präzision, Schnelligkeit, Innovationen und Explosionen – und das besser, als es die meisten Konkurrenten hinbekommen. Einfaches Abdrücken ist hier nicht, denn mittels Spezialfähigkeiten kann man etwa an einen Gegner heranschlittern, diesem das Gesicht wegschießen, sich in die Höhe katapultieren und den nächsten Feind bei der Landung plattmachen und schließlich das Waffenarsenal so überladen, dass Waffen kurzzeitig weit stärker sind und bei anhaltender Gesundheitsregeneration der Rest der Meute ausgelöscht wird. Was übrig bleibt, kann mit Items wie Drohnen oder Granaten beharkt werden.

Rage 2
Rage 2


Rage 2 ist ein Splatterfest mit mehr Witz als Doom und mehr Taktik als Call of Duty. Unübertroffen ist weiter das Waffen-Handling. Rage 2 ist einer der wenigen Titel, bei denen es wirklich Eindruck macht, den Abzug durchzudrücken. Nicht nur dass jedes Waffenfeedback spürbar und individuell ist, man sieht die Treffer- und Einschlagwirkung auch beeindruckend auf den jeweiligen Feind zugeschnitten. Bei Kopfschüssen sacken Feinde zusammen, bei Panzertreffern brechen Teile aus der Rüstung und bei nicht tödlichen Schüssen geraten die Getroffenen ins Taumeln.

Mühsamer Aufbau für Singleplayer

Einen etwas seltsamen Spagat legt Rage 2 aber auch hin. Zum einen ist es ein reiner Singleplayer-Titel, zum anderen müssen viele Fähigkeiten wie das Rammen von anderen Fahrzeugen – ja, Mad-Max-gemäß gibt es auch fahrende Waffen – oder akrobatische Manöver im Kampf erst mühsam und oft erst gegen Ende des Spiels hin freigeschaltet werden. Das würde bei einem Game mit Multiplayer-Modus Laune machen, wenn man mit neuen Fähigkeiten in die Schlacht zieht. Im reinen Singleplayer-Modus kommen die tollen Fähigkeiten aber erst reichlich spät ins Spiel und im Endgame ohne entsprechende Missionen machen sie nicht so viel Spaß, wie sich damit durch die Story zu hämmern.

Daran ändern könnte der Plan der Entwickler etwas, Rage 2 über die kommenden Wochen und Monate mit Spezialevents und neuen Inhalten zu versorgen. Vielleicht tut sich dann auch noch etwas in der eigentlich faszinierenden, aber umso leereren Welt. Denn hier lassen sich zwar Waffenrennen fahren, Konvois überfallen, Banditen ausräuchern – alles wirkt aber einfach etwas lieblos zwischen den weiten Leeren platziert. Dem gegenüber steht ein knalliger Soundtrack, perfekte Vertonung, atemberaubende Grafik, unglaubliche Waffen und vor allem ein Shooter-Erlebnis, das seinesgleichen sucht. Bessern die Entwickler noch beim Drumherum nach, wird Rage 2 der Shooter-Meilenstein, den das Gameplay bereits jetzt durchblitzen lässt. (rfi)

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