Auftakt zum Meister-Playoff! Am Sonntag startet die Bundesliga in die heiße Phase. Zehn Runden sind zu absolvieren. Spätestens am 3. Juni steht fest, ob Salzburg den Titel verteidigt – und wer es fix in den Europacup schafft.
Rapid geht als Tabellen-Vierter ins Rennen. Trotz Punkteteilung fehlen bereits elf (!) Zähler auf die "Bullen", acht auf den ersten Gegner Sturm Graz.
Abwehrchef Michael Sollbauer schätzt im "Heute"-Interview die grün-weiße Lage ein.
"Heute": Herr Sollbauer, beginnt vom Gefühl her am Sonntag ein neuer Wettbewerb?
Michael Sollbauer: "Ja, es fühlt sich schon so an. Also es beginnt nicht komplett bei null, aber es rückt alles enger zusammen – in beide Richtungen. Wir haben das erste Etappenziel erreicht, jetzt warten zehn Endspiele. Das haben wir klar besprochen. Es ist eine entscheidende Phase für uns."
Zum Auftakt ist Rapid auswärts bei Sturm gefordert. Das letzte Spiel gegen die Grazer ging mit 0:1 verloren. Trainer Zoran Barisic meinte danach, man sei mit den Steirern "auf Augenhöhe". Ist das so?
"Ich denke, er hat das damals auf das eine Spiel bezogen. Natürlich können wir die Tabelle lesen. Sturm macht das heuer sehr gut, sie gewinnen ihre Spiele, sie leisten in Graz tolle Arbeit. Wir sind jedenfalls nicht so weit weg. Ich habe für Sonntag ein gutes Gefühl."
Die nackten Zahlen sind jedoch wenig erbaulich. 22 Runden sind gespielt. Rapid hat neun Niederlagen kassiert, gegen Klubs aus der Meistergruppe gelangen nur zwei Siege – einer gegen Klagenfurt, einer gegen den LASK. Warum tut man sich in den Schlagerspielen so schwer?
"Wir haben uns das tatsächlich auch letzte Woche angesehen und analysiert. Wir sind alle Spiele durchgegangen. Von der Statistik her schaut es wirklich nicht gut aus. In den Derbys waren wir nicht bereit genug – das schmerzt am meisten. Die Sturm-Partien waren recht ordentlich, auch wenn wir beide verloren haben. Auch gegen Salzburg haben wir zwei ordentliche Spiele abgeliefert, aber am Ende zählen nur die Punkte. Das ist auch unser Ansatz für die nächsten Runden. Es warten zehn Endspiele, wir sind geschärft worden."
Sie haben sich nach der Winterpause zum Abwehrchef entwickelt. Wie haben Sie den Coach überzeugt?
"Für mich persönlich war der Herbst alles andere als zufriedenstellend. Natürlich könnte ich mich herstellen und sagen, ich kam neu zum Verein, hatte einen Umzug, musste neue Strukturen kennenlernen. Das stimmt auch, aber ich war mit mir persönlich nicht zufrieden. Ich habe dann einen Strich gezogen. Ich habe in der langen Winterpause an mir gearbeitet und gezeigt, was in mir steckt. In erster Linie habe ich mir persönlich bewiesen, dass deutlich mehr in mir steckt."
Ihr Nebenmann ist Leo Querfeld. Der Altersunterschied beträgt 13 Jahre. Wie äußert sich das am Rasen?
"Ich verstehe mich gut mit ihm, kann mich in ihn reinversetzen. Denn ich war vor ein paar Jahren in einer ähnlichen Situation, hatte auch in frühen Jahren schon viele Spiele in der höchsten Spielklasse in den Beinen. Ich war damals sehr froh, dass ich einen erfahrenen Nebenmann hatte, an dem ich mich anlehnen konnte, wenn es mal nicht so lief, der Verantwortung übernommen und mich in die richtige Bahn gebracht hat. Leo ist jung. Es kommt jetzt eine spannende Phase, weil viele Partien mit Endspielcharakter warten. Jetzt geht es in die Crunch-Time, der Druck steigt. Für die Lernkurve ist das sehr wichtig. Aber auch ich kann von Leo einiges mitnehmen, seine Unbekümmertheit zum Beispiel."
Haben Sie ein Vorbild?
"Klar. Im Sport ist es wichtig, Vorbilder zu haben. Vom Spielertyp ist es Sergio Ramos. Ich schaue mir seine Szenen gerne an, versuche, mir ein paar Dinge abzuschauen. Das mache ich schon lange so."
Hat Rapid einen bestimmten Tabellenplatz als Ziel ausgerufen?
"Nein, ein Europacup-Platz ist das Ziel. Wir sehen natürlich, dass der LASK nur drei Punkte vor uns liegt und dass wir am Sonntag den Rückstand auf Sturm verringern können. Das ist das kurzfristige Ziel. Wir wollen zeigen, dass wir ebenbürtig sind – und in dem einen Spiel sogar besser sind."
Am Mittwoch folgt das Cup-Halbfinale gegen Ried. Der Titel ist in Griffweite.
"Zunächst müssen wir das Halbfinale überstehen. Ich weiß, dass es von außen heißt, es kommt 'nur' Ried, die muss man sowieso schlagen. Aber Vorsicht, die sind auch nicht ohne Grund im Halbfinale, in einer Partie kann alles passieren. Wir sind sehr sensibilisiert. Erst wenn wir diesen Schritt gemacht haben, können wir über den nächsten sprechen."
Zum Titelrennen: Sturm ist nur drei Punkte hinter Salzburg – wird es heuer spannend?
"Aktuell schaut es ganz danach aus. Sturm macht es heuer richtig gut. Die Frage ist, ob die Grazer diese Konstanz halten können. Mein Gefühl sagt mir, dass Salzburg konstanter ist, je länger die Saison dauert. Außerdem spielen wir am Sonntag in Graz und Salzburg in Klagenfurt, also könnte Salzburg nach der Runde schon sechs Punkte vorne sein. Salzburg wird sich unterm Strich durchsetzen."