Die Causa rund um einen Grazer Bio-Lehrer beschäftigt seit Wochen die Schülerinnen und Schüler, den Elternverein, die Direktion sowie die steirische Bildungsdirektion, das schreibt die Kleine Zeitung.
In der Vergangenheit soll der Pädagoge Mitglied der rechtsextremen Identitären gewesen sein. Er soll unter anderem als Sprecher fungiert haben und auch als Aktivist gegen Flüchtlinge auf Lesbos in den sozialen Medien aufgetreten sein. Bis dato zog dies keine Konsequenzen nach sich.
Gegenüber der "Kleinen Zeitung" sagten sowohl die Schulleitung, als auch der Präsidialleiter der steirischen Bildungsdirektion, dass es dienstrechtlich keinen Anlass gäbe zu handeln. Man habe keinerlei Handhabe, da sich weder Schüler noch Eltern über den Unterricht des Lehrers beschwert hätten. Zudem habe es sich im Schuldienst noch nie etwas zu schulden kommen lassen.
In der vergangenen Woche wurde der Fall aber um ein brisantes Detail reicher. Der AHS-Lehrer soll sich weiterhin aktiv bei der als rechtsextrem geltenden "Aktion 451" engagieren. Dem Verfassungsschutzbericht 2023 des Innenministeriums zufolge diene diese Vereinigung als Tarngruppe der Identitären Bewegung Österreichs. Das Studierenden-Netzwerk trete in Deutschland und Österreich gegen Unis auf, die ihnen zu links seien.
Der Name der Bewegung ist an den dystopischen Roman Fahrenheit 451 von Ray Bradbury angelehnt. Die Gruppe beschreibt sich als diejenigen, von denen "eure linken Professoren Angst haben". Auf ihrer Homepage wird gegen das Gendern, gegen Marxisten, gegen Linke und gegen neutrale und "ideologiefreie" Universitäten Stimmung gemacht. Man wolle "die Uni als linken Safe Space" auflösen.
Am 29. Jänner hatte das Studierenden-Netzwerk in Graz einen Lesekreis abgehalten. Besprochen wurde das Buch des rechtsextremen britischen Autors Edward Dutton "Making Sense of Race". Das Buch beschäftigt sich mit der Rassentheorie. Er präsentiert "die aktuellsten Erkenntnisse über die Art und Weise, in der sich Rassen aufgrund ihrer Anpassung an unterschiedliche ökologische Verhältnisse in wesentlichen Merkmalen unterscheiden". Als Punkte werden unter anderem Intelligenz, Persönlichkeit, Sexappeal, Genialität, Religiosität, Pubertät und Ohrenschmalz genannt.
An der Veranstaltung konnte man nur teilnehmen, wenn man sich im Vorhinein per E-Mail angemeldet und dann per Telegram-Gruppe zu erkennen gegeben hat. Wie die "Kleine Zeitung" berichtete, soll auch der Lehrer als Kontakt in der Telegram-Gruppe fungiert haben. Gegenüber der Schulleitung soll er sich überrascht gezeigt haben, dass das Thema aufkommt. Er habe betont, dass es sich um eine Privatveranstaltung gehandelt habe. Zuvor hatte er all seine Social-Media-Postings mit Identitären oder ähnlichen Inhalten gelöscht.
Mittlerweile gilt die Rassentheorie – auch als Rassenlehre bekannt – als überholt und wissenschaftlich nicht mehr haltbar. Seine radikalste Ausprägung erfuhr das rassenbiologische Denken unter der Herrschaft Adolf Hitlers im NS-Regime. Das machte jetzt wohl auch die steirische Bildungsdirektion stutzig. Man sehe zwar vorerst noch keine Handhabe, da der Lehrer die Inhalte nicht in der Schule verbreite, wolle den Fall aber nochmal genauer prüfen.