Der Samstagnachmittag endete für Jude Bellingham aus sportlicher Sicht enttäuschend. Doch weder sein verschuldeter Handelfmeter im Spiel gegen Köln, noch das ernüchternde Unentschieden gegen den Abstiegskandidaten stehen nur annähernd auf einer Stufe mit dem, was sich der Engländer nach der Partie in den sozialen Netzwerken anhören musste.
Der 17-Jährige erhielt im Anschluss an das 2:2 beim 1. FC Köln auf Instagram rassistische Emojis zugeschickt und publizierte die Beleidigungen daraufhin mit dem Hinweis "Nur ein weiterer Tag in sozialen Medien...". Borussia Dortmund stand seinem Schützling umgehend zur Seite und twitterte daraufhin "Rassismus ist keine Meinung!" und schrieb "Wir verurteilen die rassistischen Kommentare gegen @BellinghamJude."
Auch die Antwort des englischen Verbandes ließ nicht lange auf sich warten. Die FA drückte seinem Nationalspieler die volle Unterstützung aus und ließ ebenfalls via Twitter verlauten, man sei "angewidert" von den diskriminierenden Schmähungen und dass "sich etwas ändern müsse".
Bellingham war bereits vor seinem Wechsel von Birmingham City nach Dortmund im Internet rassistisch beleidigt worden. "Die Zeiten müssen sich ändern. Es muss mehr getan werden", hatte der Mittelfeldspieler bereits im Juli des vergangenen Jahres gesagt.
Das Thema Rassismus im Fußball flammte erst vor wenigen Tagen erneut auf, als es bei der Europa-League-Partie der Glasgow Rangers gegen Slavia Prag am letzten Donnerstag zu hitzigen Szenen kam. Im Anschluss an die Begegnung beteuerte der dunkelhäutige Rangers-Profi Glen Kamara von Slavia-Spieler Ondrej Kudela rassistisch beleidigt worden zu sein.
Während Kamara von seinem Trainer Steven Gerrard die volle Rückendeckung erhielt, stritt Slavia Prag den Rassismus-Vorwurf vehement ab und beschuldigte stattdessen Kamara, Kudela nach dem Spiel geschlagen zu haben. Diese nachträgliche Aussagen von der tschechischen Seite bezeichnete der Rangers-Profi als "absolute Lüge" und betonte noch einmal, dass die Beleidigungen "bewusst und vorsätzlich" gefallen seien. Der Fall liegt nun bei der Uefa, die letzten Freitag ankündigte, Ermittlungen aufzunehmen.
Die Vorfälle in Glasgow und die Beleidigungen im Internet gegen Jude Bellingham zeigen, dass Diskussionen um diskriminierende und rassistische Diffamierungen immer noch hochaktuell sind.