Rauchverbot: In Discos droht jetzt Stinkalarm

Zigarettenrauch duftet nicht nach Rosen, hat bisher aber andere Gerüche überdeckt. Wie man in Zeiten des Rauchverbots gegensteuern kann.
Schweiß, verschüttetes Bier, Erbrochenes und – in den richtigen Clubs –Unmengen an viel zu starkem Parfüm. Diese Geruchsatmosphäre droht ab dem 1. November, wenn das Rauchen aus der österreichischen Gastronomie verbannt wird. Dazu zählen nämlich auch Bars und Discos, deren unangenehmen Düfte in Innenräumen nicht mehr von Zigarettenrauch überdeckt werden.

Im Klartext: Künftig könnten sich manche Partygänger den Qualm zurückwünschen, wenn nicht gegengesteuert wird. Schon 2007, kurz vor Inkrafttreten des Rauchverbots in Deutschland, beschrieb eine "Tagesspiegel"-Autorin einen irischen Pub aus ihrem Urlaub folgendermaßen: "An der Türschwelle empfängt den Besucher keine blaudunstige Wand aus Rauch, sondern der fiese Geruch von Mensch, ein Gemisch aus Bier, Parfüm, Mundgeruch, Füßen und Schweiß."

Große Nachfrage nach Düften

Viele Lokale in Österreich ergreifen jetzt Maßnahmen, um dieses Szenario abzuwenden. "Wir betreuen seit jeher die Gastronomie mit Duft-Design, haben in letzter Zeit aber vermehrt auch Anfragen von Bars und Clubs erhalten", bestätigt Peter Wieser vom Kärntner Raumduft-Unternehmen Aromea Airdesign.

Mit Düften wie Velvet Wood (Sandelholz, Zedernholz und Perubalsam), Marine Fresh (Ozean, Gras und Zedernholz), Pink Grapefruit (Grapefruit, Orange, Pfirsich und Himbeere) oder Christmas Delight soll dem verschwitzten Partyvolk getrotzt werden.

CommentCreated with Sketch.28 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Unsere hypoallergenen Düfte neutralisieren nicht nur andere Gerüche wie Schweiß, sondern erzeugen auch eine Stimmung", so Wieser. "Die Wahl des richtigen Dufts hängt also auch stark von den Räumlichkeiten und dem Mobiliar ab."

Bisher auch in Raucherräumen im Einsatz

Die wohlriechenden Aromen werden entweder direkt über die Belüftungsanlage eingebracht oder über Geräte, die an der Wand hängen. Diese dürften auch Après-Ski-Hütten gelegen kommen, deren Gäste nicht selten beim Eintreten bereits verschwitzt sind. "In diesem Gebiet setzen wir bis zum Saisonstart noch einige Projekte um", sagt Wieser.

In der Wiener Bar Lio Vienna (Neubau) wird der Raucherbereich bereits von Aromea Airdesign beduftet. "Wir sind bisher sehr zufrieden", sagt Inhaber Elvir Krluku zu "Heute.at". "Der Duftstoff neutralisiert den Zigarettengeruch sehr gut und wir können die Intensität regulieren, wenn einmal weniger los ist." Die Bar bietet derzeit noch Shishas an – man hofft auf eine Ausnahmeregelung.



Darum wird es stinken

Die Diskussion um den Gestank ist übrigens nicht neu. Als das Rauchverbot in Deutschland eingeführt wurde, gab es ähnliche Sorgen. Bereits 2007 erklärte Hanns Hatt, Riechforscher und Professor für Zellphysiologie an der Universität Bochum, gegenüber dem "Tagesspiegel", warum Zigarettenrauch andere Gerüche überdeckt.

Zigaretten enthalten Giftstoffe, darunter prominent Nikotin. Diese erregen die Sensoren auf dem Warn- und Schmerznerv Nervus Trigeminus. "Dieser Nerv hat die Aufgabe, uns vor Gefahren zu warnen", erklärt Hatt. "Wird er gereizt, reagiert das Gehirn sofort, indem der Duft in unser Bewusstsein kommt."

Die Folge: In verrauchten Räumen werden andere Gerüche überdeckt – eben auch übelriechende Absonderungen von Menschenmassen in Tanzpalästen.

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