Steiermark

Rechts-Expertin: "In 10 Jahren ist Spital purer Luxus"

Rechts-Expertin Karin Prutsch sieht aufgrund des Ärztemangels für die Zukunft schwarz: "In 10 Jahren ist eine Gesundheitsversorgung Luxus"

Karin Prutsch warnt eindringlich vor Ärztemangel.
Karin Prutsch warnt eindringlich vor Ärztemangel.
privat

Rechtsanwältin Karin Prutsch, ist eine der renommiertesten Strafverteidiger des Landes und Spezialistin im Bereich Arzthaftung sowie Patientenrechte.

Die Grazer Juristin schlägt nun nach mehreren Medienberichten über Missstände - nach 20 Jahren Erfahrung im Bereich Patientenrechte - Alarm: "Aufgrund meiner Erfahrungen gehe ich davon aus, dass dies erst der Anfang ist von einer nicht mehr vollständig umsetzbaren gesundheitlichen Versorgung für alle Menschen!"

"Gesundheitsversorgung wird Luxusgut"

"Der Ärztemangel wird in den nächsten Jahren noch größer werden. In etwa zehn Jahren – so meine Einschätzung – wird die gesundheitliche Versorgung ein Luxusgut sein, das nicht mehr für jeden zugänglich sein wird. Ich sehe im Rahmen meiner 20-jährigen Tätigkeit in diesem Bereich in den letzten zwei Jahren eine starke Veränderung was die Durchsetzung von Ansprüchen für Patienten gegenüber Ärzten bzw. Rechtsträgern von Krankenhäusern betrifft. Bis vor einigen wenigen Jahren gab es derartige Fälle nur vereinzelt", erklärt die Steirerin.

Die Juristin gliedert die Problematik wie folgt auf: Auf der einen Seite würden Patienten, die eine gewisse klinische Beschwerdesymptomatik haben, nicht mehr stationär aufgenommen (Personalmangel und damit einhergehend Bettenmangel).

Auf der anderen Seite würden Patienten von stationären Aufenthalten zu früh entlassen werden. Diese unzureichende diagnostische Abklärung und medizinische Versorgung habe in vielen Fällen dazu geführt, dass Patienten nur wenige Tage später als absoluter Notfall (wieder) stationär aufgenommen werden hätten müssen, eine lebensrettende Notoperation durchgeführt werden musste oder im schlimmsten Fall auch Patienten verstorben seien.

In der dritten Fallkonstellation würden Patienten einfach nur ambulant betreut bzw. mit Schmerzmittel versorgt und ohne weitergehende diagnostische Abklärung (die notwendig wäre) nach Hause geschickt werden.

1/3
Gehe zur Galerie
    Expertin Karin Prutsch-Lang.
    Expertin Karin Prutsch-Lang.
    privat

    Die vierte Fallkonstellation wäre diejenige, dass klinische Beschwerden, die noch nicht (als eine schwere Erkrankung) diagnostiziert wurden, da die Untersuchungen dafür noch nicht durchgeführt wurden, durch monatelange Wartezeiten und auch dann mit weiteren Terminverschiebungen erst verspätet diagnostisch abgeklärt werden. So würden Diagnosen wie auch Krebserkrankungen oft erst ein halbes Jahr bis zu ein Jahr später diagnostiziert, obwohl die klinischen Beschwerden einer Abklärung bedurft hätten. Die Behandlung erfolge damit zeitverzögert und führe dazu, dass bestimmte Behandlungen nicht mehr möglich sind.

    Lesen Sie jetzt: Keine Hilfe? Mann starb nach Infarkt

    Karin Prutsch in aller Deutlichkeit: "Das sind die vier Fallkonstellationen, die bis vor zwei Jahren eine Rarität dargestellt haben, aber nun regelmäßig vorkommen - Tendenz steigend." Für das Gesundheitssystem in der Steiermark sehe sie Alarmstufe Rot. 

    "Wenn nicht mehr Pflegepersonal ausgebildet wird und das Medizinstudium nicht mindestens für doppelt so viele Studenten freigegeben wird, sehe ich in 10 Jahren unser Gesundheitssystem als Luxusgut, dass nur mehr für einen gewissen Teil der Bevölkerung zur Verfügung steht", so die Grazer Rechtsanwältin, die die Politik jetzt gefordert sieht. 

    Ärztemangel ist freilich kein steirisches Phänomen, auch NÖ leidet unter einem Personalnotstand - mehr dazu hier.