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Rechtsextrem, streng gläubig – so tickt Émiles Familie

Nach Émile S. wird nicht mehr gesucht – doch das heißt nicht, dass die Polizei die Hoffnung aufgegeben hat, den verschwundenen Buben zu finden.

Wo ist Émile?
Wo ist Émile?
Familie

Wird man den verschwundenen Émile S. aus dem südfranzösischen Le Vernet noch lebend finden? Der zweieinhalbjährige Bub war am Samstag vor einer Woche aus dem Garten seiner Großeltern spurlos verschwunden, am Mittwoch stellte die französische Armee und die Gendarmerie ihre großangelegte Suche ein.

Die Behörden geben jedoch nicht auf – sie versuchen weiterhin, eine Spur zu finden, die zum Buben führen könnte. Nun nehmen die Behörden die Familie des Kindes unter die Lupe, denn besonders stutzig hat die Ermittler und Ermittlerinnen die Haltung von Émiles Eltern gemacht. Sowohl Colomban S. als auch seine Frau Marie halten sich seit dem Verwinden des Kindes sehr bedeckt.

Wer ist der Vater von Émile S.?

Der 26-jährige Colomban S. nahm an den Suchaktionen teil. Einer der Freiwilligen erzählt dem Portal "La Dépêche": "Er kam sehr gut gekleidet, was uns ein wenig überrascht hat. Er trug einen Rollkragenpullover und Straßenkleidung. Er war sehr autoritär und erhob schnell die Stimme, um Leute zurechtzuweisen, die seiner Meinung nach nicht die richtige Einstellung hatten. Das hat alle ein wenig schockiert." Den Großvater des Buben sah der Zeuge hingegen weinen. "Er war sehr gerührt."

Wie Recherchen von "La Dépêche" zeigen, ist der Vater des verschwundenen Kindes ein ehemaliges Mitglied der ultranationalistischen Gruppierung "Action française". Der aus Yvelines stammende Mann arbeitet heute als Ingenieur in Marseille und war auch ein sehr aktiver Aktivist der Organisation "Bastion social", eine ebenfalls rechtsextreme, politische Bewegung, die 2019 nach mehreren rassistisch motivierten Angriffen ihrer Mitglieder per offiziellem Dekret aufgelöst wurde.

Colomban S. musste 2018 wegen eines mutmaßlichen Angriffs auf Personen mit Migrationshintergrund vor dem Strafgericht in Aix-en-Provence erscheinen. Er wurde in diesem Fall schließlich freigesprochen.

Bei den Regionalwahlen 2021 tauchte Colomban S. an vierter Stelle auf einer Wahlliste zur Unterstützung von Eric Zemmour auf, dessen Ansichten der extremen Rechten zugeordnet werden. Colomban S. ist außerdem Mitglied der katholischen Bewegung "Chrétienté-Solidarité", eine 1982 gegründete katholisch-traditionalistische und rechtsextreme Organisation. Pierre S., Colombans Vater und Émiles Großvater, ist deren Schatzmeister.

Wer ist die Mutter von Émile S.?

Marie S. ist in einer strenggläubigen, katholischen Familie aufgewachsen, wie der Sender BFMTV schreibt. Ihr Vater ist als Masseur und Physiotherapeut tätig. Marie S. ist die älteste von zehn Geschwistern. Sie ging nie zur Schule – die Kinder wurden zu Hause unterrichtet.

In La Bouilladisse, einem Ort 170 Kilometer von Le Vernet entfernt, organisierte Marie S. nach Émiles Verschwinden ein Treffen zum Gebet an "die ehrwürdige Schwester Benoîte Rencurel". Am Samstagabend fand eine Messe für den verschwundenen Buben statt.

Anwohner beschreiben Marie und Colomban S. als "diskret und unauffällig". "Es sind sehr gute Menschen: eine glückliche Familie ohne Sorgen und Probleme, sehr liebevoll und sehr gläubig", meint eine Nachbarin.

Steht das alles mit dem Verschwinden des Buben im Zusammenhang?

Bisher hat der zuständige Staatsanwalt keine Hinweise auf mögliche Verbindungen zwischen der Vergangenheit des Vaters von Émile als politischer Aktivist und dem Verschwinden des Kindes gefunden.

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