Eines ist durch die Pleite von Cardiff jedenfalls klar: der Vertrag von Coach Franco Foda läuft mit Ende März aus. Am Dienstag wird der Deutsche gegen Schottland noch auf der Trainerbank sitzen, danach endet wohl seine Ära. Auch wenn Schöttel erklärte, mit Foda Gespräche führen zu wollen. Der 55-Jährige sei einer von rund 15 Trainer-Kandidaten, mit denen der Sportdirektor Gespräche anpeilt.
Deutlicher wurde Schöttel da schon bei seiner Kritik an den Spielern. Und erzählte in der ersten Emotion wohl mehr, als er wollte. Noch in Cardiff enthüllte der 54-Jährige, dass der Kader "nicht einfach zu führen" sei. Schöttel sprach sogar von zwei Gruppen im Team: Dem "Red-Bull-Eck" und den anderen, die über das spielerische Element kommen wollen.
Was Schöttel damit gemeint hat? Immer wieder wurden unterschiedliche taktische Auslegungen einzelner Spieler augenscheinlich. Die, die aus der Red-Bull-Schule kamen, versuchten häufig, hoch anzulaufen. Dafür war Andreas Ulmer stets ein gutes Beispiel. Andere bevorzugten die spielerische Linie, "mit der sie Erfolg hatten", wie Schöttel unterstrich.
Diese Trennlinie geht schon monatelang durch das Team. Dass es immer wieder Diskussionen um die Spielausrichtung der rot-weiß-roten Nationalmannschaft gab, ist ein offenes Geheimnis, wurde vor allem während der Europameisterschaft augenscheinlich.
Das Red-Bull-Lager - das sind Konrad Laimer, Stefan Lainer, Ulmer oder auch Valentino Lazaro. Die Wien-Fraktion - das sind die routinierten Führungsspieler: der mittlerweile vom Team abgereiste Kapitän David Alaba, Aleks Dragovic, der am Dienstag als erst zweiter ÖFB-Kicker sein 100. Länderspiel bestreiten wird sowie Marko Arnautovic. Sie alle fühlen sich durch schnelles Umschaltspiel gehetzt, agieren fehlerhaft. Andererseits raubt man den "Bullen"-Spielern durch kontrollierten Spielaufbau ihre Stärken. Und Fakt ist auch: Mehr und mehr Spieler aus der Salzburger Schule rücken ins Team nach.
Die wohl wichtigste Aufgabe des neuen Trainers sei es nun, diese Lager zu vereinen - vor allem spielerisch. "Wir sollten schon dominant auftreten, auch gegen größere Gegner immer einen Plan haben und diese Dynamik, die sollte definitiv ein Markenzeichen von uns sein. Auch wenn die spielerischen Elemente nicht zu kurz kommen sollten", gab Schöttel einen Einblick ins Trainerprofil.
Den Fußballern selbst gab der Sportdirektor noch eine Botschaft mit auf den Weg, die wohl ihre Wirkung nicht verfehlte: "Ich würde mich nicht trauen, zu sagen, dass das die beste Spielergeneration ist, die wir je hatten. Wenn ich an die letzte Generation denke, die die WM-Qualifikation 2018 verpasst hat. Aber wir haben definitiv eine gute Generation, vor allem in der Breite. Aber es liegt sicher nicht am Teamchef, dass sie ihr Potenzial nicht so entfalten können, wie wir es uns wünschen."