Welt

Regierungsgegner stürmen Ministerien

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:35

Die Lage in Thailands Hauptstadt Bangkok eskaliert: Dutzende Regierungsgegner stürmten am Montag das Finanzministerium. Sie fordern den Sturz von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra.

Die Lage in Thailands Hauptstadt Bangkok eskaliert: Dutzende Regierungsgegner stürmten am Montag das Finanzministerium, und danach das Außenministerium. Sie fordern den Sturz von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra.

 
Unvorstellbare Massen drängten am Montag ins Finanzministerium. Kurze Zeit, nachdem die Protestierenden in das Gebäude eingedrungen waren, fiel die Stromversorgung aus. Hunderte Demonstranten stürmten daraufhin das Außenministerium in Bangkok. "Mehrere hundert Demonstranten haben das Tor niedergerissen und den Komplex des Außenministeriums betreten", sagte ein Ministeriumssprecher. Sie hielten zwar das Gelände besetzt, seien aber in keines der Gebäude eingedrungen. Mitarbeiter des Ministeriums wurden demnach von den Eindringlingen zum Verlassen der Anlage aufgerufen und angewiesen, auch am Folgetag nicht zum Dienst zu erscheinen.

Auch diverse Regierungsgebäude sowie Fernsehsender, Kasernen und Polizeiwachen wurden belagert. Mehr als 30.000 Demonstranten riefen „Verschwindet!“, als sie sich über die Hauptstadt Bangkok verteilten und zu verschiedenen Regierungsbüros, Militärstützpunkten und dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zogen.

Amnestie für Shinawatra befüchtet

Die von Zehntausenden Demonstranten getragenen Proteste richten sich gegen Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra, deren Rücktritt gefordert wird. Hintergrund ist ein umstrittener Amnestieplan der Regierung. Die Demonstranten befürchten, dass die Amnestie auch Thaksin zu Gute kommen könnte. Zwar wurde das Gesetz vom Senat kürzlich abgewiesen, doch dauern die Proteste seither weiter an.

Keine Reisewarnung

Das österreichische Außenamt hatte bis Montag Nachmittag noch keine Reisewarnung für Thailand ausgegeben.

Bereits Sonntag Abend hatten sich nach Angaben der Organisatoren rund 440.000 Regierungsgegner am Demokratie-Monument in Bangkok versammelt. Die Behörden gaben ihre Zahl mit rund 100.000 an. Fotos, die "The Nation" veröffentlichte, zeigten eine unüberschaubare Menschenmenge auf dem runden Platz und den zu ihm führenden Straßen.

In größerer Entfernung von dort versammelten sich militante Anhänger der Regierung, die vom im Exil lebenden Ex-Premier Thaksin Shinawatra gesteuert wird. Rund 60.000 "Rothemden" fanden sich am Sonntag im Rajamangala Stadium ein, wo sie nach eigenen Angaben mindestens fünf Tage ausharren wollen.

Im bereits an normalen Tagen vom Verkehr überlasteten Bangkok droht in einigen Stadtteilen ein völliger Stillstand.
Die gegenwärtige Lage weckt Erinnerungen an die Unruhen der vergangenen Jahre. 2006 wurde Thaksin vom Militär gestürzt. Er floh vor einer drohenden Haftstrafe ins Exil. 2008 jagte eine königstreue Oppositionsbewegung (Gelbhemden) eine Regierung von Gnaden Thaksins mit Massenprotesten, die in der Besetzung des Flughafens gipfelten, aus dem Amt. 2010 kamen durch einen Koalitionsbruch und ohne Wahlen Thaksin-Gegner an die Macht. Daraufhin legten Rothemden Bangkok wochenlang mit Protesten teilweise lahm. 92 Menschen kamen bei Zusammenstößen ums Leben, ehe die Armee die Proteste beendete. Seit den Wahlen 2011 ist Thaksins Lager wieder am Ruder.

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