Rendi sagt, warum sie sich SPÖ-Führung überhaupt antut

Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) am SPÖ-Bundesparteitag 2021 in Wien.
Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) am SPÖ-Bundesparteitag 2021 in Wien.MICHAEL GRUBER / APA / picturedesk.com
Rendi-Wagner wurde am Parteitag der SPÖ als Chefin wiedergewählt. Im ORF-Radio erklärt sie, warum sie trotz aller Steine im Weg weiter im Amt bleibt.

Zeitgleich mit Beginn des Spiels Dänemark gegen Wales bei der Fußball-EURO, herrschte beim SPÖ-Parteitag stellenweise gähnende Leere in den Sitzreihen. Viele Delegierte hatten die Räumlichkeiten schon vorzeitig verlassen. So viele, dass der Parteitag am Ende nicht einmal mehr beschlussfähig war. 23 Anträge blieben liegen, darunter die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge sowie der Antrag der SP-Jugend, eine Koalition mit der ÖVP unter Parteichef Kurz auszuschließen – "Heute" berichtete.

Trotzdem, die Wiederwahl von Pamela Rendi-Wagner als SPÖ-Chefin drückten die Sozialdemokraten dann doch irgendwie durch. Mit 75,3 Prozent der Stimmen wurde die Bundesparteiobfrau in ihrem Amt bestätigt. Das schlechteste Ergebnis seit mehr als 50 Jahren. "Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig", so Meinungsforscher Peter Hajek später. Schnell kursierte das Gerücht, dass einige, mächtige Länderchefs Rendi-Wagner die Zustimmung versagt hätten.

Im Studio-Interview mit dem Ö1 "Morgenjournal" kritisierte Rendi-Wagner das Verhalten ihrer Parteigenossen scharf: 

"Nach so einem Ergebnis bin nicht nur ich erstaunt und mache mir meine Überlegungen, so geht's drei Viertel aller Delegierten, die vorgestern sehr motiviert mit einer guten Stimmung auf diesen Parteitag gekommen sind", erklärt die 50-Jährige. Sie selbst wolle sich "diesen Mutmaßungen" darüber, wer ihr die Stimme verweigert hatte, nicht anschließen.

Rendi-Wagner betonte, dass es beim Parteitag, dem höchsten Gremium, sowohl Zeit als auch Raum für Diskussionen aller Art gebe. "Das ist doch der Sinn dieses Zusammenkommens. Und in einer Zeit wie dieser ist das noch viel wichtiger, dass man redet und diskutiert." Bis auf einen einzigen Beitrag seien alle Meldungen "sehr sehr positiv" gewesen.

Kritiker blieben hinter dem Vorhang

In Richtung Hans Peter Doskozil und der Burgenland-SP "Alle diese Kritikerinnen und Kritiker, die meinen, die Unzufriedenheit geht hier quer durch die Partei... ich frage mich, wo die am Samstag waren und warum sie das nicht öffentlich vorm Vorhang geäußert haben. Das wäre der richtige Platz gewesen."

Den Delegierten, die schon am Nachmittag vom Parteitag abgerissen sind, klopft die Chefin sanft auf die Finger: "Das ist natürlich kein gutes Bild. Das sollte so nicht sein und das muss auf jeden Fall nachbesprochen werden."

Fast leerer Saal, Josef Cap harrte aus.
Fast leerer Saal, Josef Cap harrte aus.MICHAEL GRUBER / APA / picturedesk.com

Selbstverständlich wolle sie die Diskussionen innerhalb der Partei weiterführen, so die wiedergewählte Parteichefin. Gleichzeitig weist sie ihre Kritiker aber auch in die Schranken: 75 Prozent der Stimmen seien ein klares Bekenntnis zu ihrer Person und auch ein Auftrag an sie.

"75 Prozent reichen, SPÖ zu führen"

An dem dann doch geringen Ergebnis gebe es aber nichts zu rütteln, Ergebnisse von 90 Prozent und mehr seien bei Wiederwahlen in den letzten Jahren "sehr unüblich" geworden. Drei Viertel der Stimmen seien definitiv genug:

"Wenn 37 Prozent reichen, ein Land zu regieren und zu führen", sagt sie in Richtung des letzten Nationalratswahl-Ergebnisses der ÖVP, "dann denke ich, werden 75 Prozent auch reichen, die SPÖ zu führen."

Doch warum tut sich Rendi-Wagner das alles eigentlich an? Diese direkte Frage der Ö1-Reporterin überraschte offenbar selbst die routinierte Politikerin. "Naja, ist ja nicht so, als würde ich das tun, weil ich sonst nichts anderes tun hätte oder küönnte", platzt sie heraus. "Ich tue das, weil ich zu 100 Prozent überzeugt bin, dass es gerade jetzt eine stärkere Sozialdemokratie in Österreich braucht."

Steine in den Weg gelegt

Sind Sie Chefin, weil es niemand anderer machen will? "Das müssen Sie die anderen fragen", kontert Rendi-Wagner die nächste Frage. Sie habe die Partei damals in einer sehr schwierigen Zeit übernommen.

"Erinnern wir uns, damals wollte niemand, niemand Verantwortung übernehmen. Man hat mir immer wieder Steine in den weg gelegt in den letzten Jahren. Ich habe diese Steine weggeräumt, bin aus Überzeugung, die Sozialdemokratie weiterzubringen, weitergegangen. Diesen Weg sollten wir jetzt, in dieser schwierigen Zeit, gemeinsam weitergehen."

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