Respektlos

"Heute"-Chefredakteur Christian Nusser erklärt, warum manchmal auch das Weglassen bestimmter Inhalte im Journalismus wichtig ist.
"Schreiben, was ist" betitelte Rudolf Augstein 1989 einen Leitartikel im "Spiegel". Das wurde im Journalismus schnell zur Richtschnur. Schreiben, was ist. Zeigen, was ist. Sagen, was ist. Klingt cool, aber ist es auch immer richtig, klug und zeitgemäß?

Es gibt ein zweites Video von Johann Gudenus aus Ibiza. Es zeigt ihn in kompromittierenden Situationen, "Heute" kennt den Inhalt. Fakt ist: Das Video verletzt den höchstpersönlichen Lebensbereich und ist politisch irrelevant.

"Wir gehen das Risiko leichten Herzens ein"


CommentCreated with Sketch.37 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Fakt ist auch: Wer Bilder und/oder Inhalte veröffentlicht, macht Quote, generiert Klicks, verbreitet Zeitungen. Es ist ein Wesenszug unseres Berufs geworden, dass das Übergriffige belohnt wird. Wer schmuddelt, verdient. Muss man?

Wir haben uns entschlossen, nicht näher auf das Gudenus-Video einzugehen. Natürlich zirkulieren online alle Details, und natürlich kann man argumentieren: Wozu etwas nicht thematisieren, was es ohnehin überall zu lesen gibt? Klarerweise ist es ein Geschäftsrisiko, wenn man anderen die Brocken überlässt, die Klicks und Aufregung bringen.

Wir gehen das Risiko leichten Herzens ein. Weil wir wissen, dass "Heute"-LeserInnen an unserer Zeitung auch schätzen, dass wir vieles bewusst eben NICHT machen. Wer den Respekt vor den Lesern verliert, verliert den Respekt vor sich und seinem Beruf. Der Anfang vom Ende.

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