Welt

Retter von Riga geraten selbst in Lebensgefahr

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:35

Nach dem Dacheinsturz in einem Einkaufszentrum in Riga mit mindestens 54 Toten schwindet die Hoffnung, Überlebende zu finden. Vielmehr geraten die Rettungskräfte selbst in Lebensgefahr, weil erneut ein Teil des Daches eingestürzt war. Die Rettungsarbeiten wurden aus Sicherheitsgründen unterbrochen.

Nach mit mindestens 54 Toten schwindet die Hoffnung, Überlebende zu finden. Vielmehr geraten die Rettungskräfte selbst in Lebensgefahr, weil erneut ein Teil des Daches eingestürzt war. Die Rettungsarbeiten wurden aus Sicherheitsgründen unterbrochen und erst am Sonntag fortgesetzt.

"Um die Rettungsarbeiten fortsetzen zu können, müssen wir die Sicherheit der Helfer gewährleisten können", sagte der Leiter der staatlichen Rettungsdienst. Bei der Bergung der Opfer waren auch drei Feuerwehrmänner getötet worden. Noch immer werden mehr als zehn Menschen vermisst, mehr als 20 wurden verletzt. Die genaue Unglücksursache stand noch immer nicht fest.

Nach Angaben von Innenminister Rihards Kozlovskis gebe es Anzeichen dafür, dass gegen Bauvorschriften verstoßen worden sei. Der lettische Polizeichef nannte drei mögliche Ursachen: entweder sei der 2011 eröffnete Supermarkt falsch geplant worden oder die Baustruktur wie die Statik seien nicht in Ordnung gewesen. Bauarbeiten auf dem Gebäude könnten auch ein Grund für den Einsturz gewesen sein.

Wettlauf gegen die Zeit

Im Wettlauf gegen die Zeit hatten die Rettungskräfte am Samstag unter Hochdruck nach Überlebenden gesucht. Zuletzt waren in der Nacht zu Freitag Verletzte gefunden worden. Sonntag wurde der Rettungseinsatz wieder fortgesetzt. Am Unglücksort versammelten sich bangende Angehörige und Menschen, die mit Blumen oder Kerzen ihre Trauer ausdrücken wollten.

Auch Antons Ryakhins war zu der Unglücksstelle zurück gekehrt - ihm war beim Einbruch des Dachs in letzter Minute die Flucht gelungen. "Ich stand in der Schlange an der Kasse, als das Dach plötzlich einbrach", erzählte der 19-Jährige. "Alles passierte innerhalb weniger Sekunden. Es war dunkel, aber noch hell genug, um den Ausgang zu sehen. Ich rannte raus. Die Türen waren offen, aber davor fielen viele Trümmer runter. Deshalb war vielen der Weg versperrt. Einer meiner Freunde verlor seine Mutter." Im Supermarkt seien zum Unglückszeitpunkt etwa 100 Menschen gewesen, schätzte er. Einen Alarm habe er nicht gehört.

"Muss wie ein Mord behandelt werden"

Staatspräsident Andris Berzins forderte im lettischen Fernsehen, die Aufnahme von Mordermittlungen gefordert. "Dieser Fall muss wie ein Mord an zahlreichen hilflosen Menschen behandelt werden", sagte Berzins am Samstag im Fernsehsender LTV. Ein Team unabhängiger Experten aus dem Ausland müsse unverzüglich gebildet werden, forderte er. Die Mitglieder dürften in keiner Weise mit der Bauwirtschaft des Landes verbunden seien.

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