Rezept für Spaghetti Hawaii löst Shitstorm aus

Das Gericht, das in Italien kaum auf einer Speisekarte landen wird: Spaghetti Hawaii.
Das Gericht, das in Italien kaum auf einer Speisekarte landen wird: Spaghetti Hawaii.Screenshot BBC
BBC hat ein Rezept veröffentlicht, das Italienern das Herz brechen könnte. Auch im Netz kommen die Spaghetti Hawaii schlecht weg.

Dass man mit Pizza Hawaii in Italien eine mittlere Staatskrise heraufbeschwören kann, ist längst bekannt. Die BBC hat nun noch einen draufgesetzt und ein Rezept veröffentlicht, das als Spaghetti Hawaii betitelt wird. Dazu nehme man 400 Gramm Spaghetti, einen Esslöffel Butter, eine mittelgroße, feingehackte Zwiebel, eine feingehackte Knoblauchzehe, 200 Gramm Schinken aus der Dose, 200 Gramm Frischkäse und – wie könnte es anders sein – 400 Gramm Ananas, ebenfalls aus der Dose. Das Ganze soll schließlich mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt werden.

Das Rezept fällt in der BBC-Community gnadenlos durch. Es wird mit mickrigen 1,5 Sternen bewertet. Auch auf Twitter hagelt es bitterböse Kommentare.

"BBC hat Italien den Krieg erklärt", schreibt zum Beispiel ein Twitter-User. Ein anderer User, der offenbar selbst auf Hawaii lebt, witzelt: "Auf Hawaii nennen wir das einfach nur Spaghetti."

Politaktivisten wollen, dass man künftig eine Pizza mit Ananas bestellt

Die Gruppe Linke PoC/Migrantifa hat bereits vor rund zwei Jahren erklärt, dass der Ausdruck Pizza Hawaii problematisch sei. Nicht, weil sie gegen italienische Sitten – und für manche Leser und manche Leserinnen auch gegen den guten Geschmack – verstößt, sondern weil damit eine Geschichte des Kolonialismus und der Aneignung verbunden sei.

"Hawaii war ursprünglich von Polynesiern besiedelt und wurde 1898 von den USA kriegerisch annektiert. Schon davor wurden Polynesier durch Besiedlung zur Minderheit im eigenen Land gemacht", schrieben die Aktivistinnen und Aktivisten. Die Ananas sei für den Kolonialisierungsprozess wesentlich gewesen: "Sie wurde im 19. Jahrhundert von Siedlern eingeführt und bildete das hauptsächliche Exportprodukt der Plantagenwirtschaft. Die lokale Bevölkerung und das Land wurden von weißen Siedlerinnen zum Ananasanbau ausgebeutet", heißt es weiter.

Tourismusbehörde kämpft gegen Stereotype

Dass viele Touristinnen und Touristen nur an Baströckchen, Sandstrände und Hula-Tänzerinnen mit BHs aus Kokosnussschalen denken, wenn sie Hawaii hören, stört auch die hawaiische Tourismusbehörde. Der Kampf gegen falsche Stereotype dauert schon über 40 Jahre an. "Der Weg weg von den Klischees und zurück zur Tradition ist in Hawaii harzig, weil andere Länder aus der authentischen hawaiischen Kultur eine Trivialkultur gemacht haben", sagte Kalani Kaanaana vor einiger Zeit gegenüber SRF. Kaanaana ist Direktor für kulturelle Angelegenheiten bei der hawaiischen Tourismusbehörde.

Ein Problem seien auch die Stereotype zu Hawaii, die durch einen "weißen Blick" entstanden seien: "In den 50er-Jahren wurde der Tourismus auf Hawaii wichtiger. Der weiße, oft männliche Tourist, der mit Hawaii Ferien- und Tropenstimmung in Verbindung brachte, fetischisierte insbesondere hawaiische Frauen", kritisierte die Facebook-Gruppe. Das widerspiegele sich auch in der Pizza Hawaii: "Die hawaiische Kultur wurde zwar als positiv, aber trotzdem als fremd, anders und exotisch dargestellt. So wurde Hawaii als Ziel dargestellt, wo sich Weiße erholen können."

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