In den letzten Tagen stolpere ich immer wieder über den Begriff "Rich-Girl Arms". Ein Trend, der trainierte, definierte Arme plötzlich nicht mehr einfach als das zeigt, was sie sind – das Ergebnis von Bewegung –, sondern als Symbol für Status.
Auch der "Pilates-Body", der aktuell genauso auf Social Media trendet, folgt einem ähnlichen Muster: ein schlanker Körper, der nicht nur ästhetisch sein sollte, sondern für einen gewissen Lifestyle steht. Dabei stellt sich die Frage, wohin es führt, wenn Körperformen plötzlich als Trends gelesen werden und nicht mehr als individuelle Ergebnisse von Training, Veranlagung und Alltag.
Was bei beiden Begriffen auffällt, ist weniger der Körper selbst, sondern die Art, wie er dargestellt wird. "Rich-Girl Arms" suggeriert, dass definierte Oberarme automatisch etwas mit Geld, Freizeit und einem bestimmten sozialen Umfeld zu tun haben.
Der "Pilates-Body" wiederum wird oft als schlank und fast schon artig inszeniert – als wäre der Körper das Ergebnis eines speziellen Lebensstils mit viel Verzicht, nicht von Training, Freude an Bewegung oder eben schlicht Veranlagung. Beide Trends tun dabei so, als wären Körperformen keine individuellen Resultate mehr, sondern erkennbare Statussymbole.
Und genau da wird es problematisch: Sobald Körper zu Trends deklariert werden, fangen wir an, sie einzuordnen, zu bewerten und zu vergleichen, statt sie einfach als das zu sehen, was sie sind – unterschiedlich. Es entsteht für manche unterschwelliger Druck, mitzuhalten oder sich zu erklären.
Von Natur aus schlanke Frauen werden plötzlich in Schubladen gesteckt, obwohl sie das vielleicht gar nicht wollen, und Bewegung, die eigentlich etwas Positives ist, wird in ein ästhetisches Muster gepresst, das mit der Realität oft wenig zu tun hat.
Gleichzeitig verstehe ich, woher dieses Bild kommt. Wer heute in manche Pilatesstudios geht, merkt schnell: Es gibt richtig große Unterschiede. Um ehrlich zu sein, gibt es einige Studios, in denen das Ganze mehr nach Inszenierung als echtem Training aussieht. Wo das neueste Alo-Yoga-Outfit wichtiger ist als die korrekte Ausführung am Reformer und man sich kurz fragt, ob man ohne das richtige Sportset überhaupt mitmachen darf.
Aber das ist nicht Pilates: Die Ursprünge reichen zurück zum 1. Weltkrieg, wo Josef Pilates Reformer als funktionelles Ganzkörpertraining zur Reha und Kräftigung entwickelte. Kein ästhetisches Trendworkout, sondern gezielte Unterstützung des Körpers, um ihn beweglicher und gesünder zu machen.
Was in der ganzen Sache untergeht; nicht jeder trainiert für andere. Klar, der "Male Gaze" ist ein Thema, und ja, viele Körper werden oft auch für Außenwirkung geformt. Aber für viele ist das nicht die (einzige) Motivation. Denn man kann auch trainieren, weil man sich stark und gesund fühlen möchte. Weil man merkt, dass es dem Mindset guttut und negative Gedanken verschwinden können. Weil man seinen Körper spüren möchte, nicht präsentieren.
Das Gefühl, wenn man merkt, man wird stärker, stabiler und effizienter – all das ist Motivation für ein Training, egal ob im Gym, auf der Matte oder am Reformer. Und genau das fehlt mir ein bisschen in der aktuellen Debatte. Das Verständnis dafür, dass ein trainierter Körper nicht automatisch eine Botschaft ist, sondern einfach das zusätzliche Ergebnis.
Am Ende beleibt für mich vor allem ein Gefühl: Dieses ständige Einordnen macht alles komplizierter, verstärkt ein permanentes Wettbewerbsdenken und kann dazu führen, dass Menschen sich unter Druck setzen, bestimmten Idealen hinterherzulaufen. Im schlimmsten Fall öffnet das die Tür für ungesunde Verhaltensweisen wie Crash-Diäten oder Essstörungen, weil der eigene Körper plötzlich nicht mehr als etwas Persönliches gesehen wird, sondern als etwas, das bewertet und angepasst werden muss.
Gleichzeitig zeigt sich daran noch ein Problem: Die Art von Trenddenken ist fast schon unfair gegenüber allen, die schon immer gerne Sport gemacht haben – einfach weil sie ihn mögen oder brauchen. Und genauso unfair denen gegenüber, die gerade erst anfangen wollen. Denn wenn Bewegung plötzlich elitär, oberflächlich oder "nur für bestimmte Körper" gedacht wird, schreckt das ab. Dabei sollte Sport genau das Gegenteil sein: zugänglich, normal und selbstverständlich.
Was natürlich nicht heißt, dass es viele gibt, die den Trend zu ernst nehmen und tatsächlich wenig essen, nonstop trainieren und sich nichts gönnen. Aber man kann nicht alle über einen Kamm scheren - genauso wenig wie man jede sportliche Person automatisch auf einen Trend reduziert.