Im Mittelmeer herrscht Angst vor einer großen Katastrophe: Der russische Flüssiggas-Tanker "M.T Arctic Metagaz" treibt nach einer Explosion seit zwei Wochen manövrierunfähig im Wasser. Zuletzt war das Schiff rund 100 Kilometer vor Malta.
Malta ersuchte daher am Dienstag um internationale Hilfe bei Mittelmeer-Staaten und der EU, um das außer Kontrolle geratene Schiff zu bergen. Das Schiff steht auf den Russland-Sanktionslisten der EU und USA. An Bord: 62.000 Tonnen Flüssiggas sowie 700 Tonnen Treibstoffe.
An Bord des 277 Meter langen und 73 Meter breiten Tankers war es am 2. März etwa 240 Kilometer vor der libyschen Hafenstadt Sirte zu mehreren Explosionen gekommen. Seitdem ist das Schiff nicht mehr steuerbar und treibt unkontrolliert durchs Mittelmeer. Fischer wurden gewarnt, einen Sicherheitsabstand von mindestens vier Seemeilen (rund 7,4 Kilometer) zu dem Schiff einzuhalten.
Die 30 Besatzungsmitglieder konnten nach dem Vorfall gerettet werden. Das Schiff war laut Tracking-Daten von Tienshan in China unterwegs nach Port Said in Ägypten.
Moskau macht Kiew für den Vorfall verantwortlich. Russland wirft der Ukraine vor, mit einer Marinedrohne einen "Terrorangriff" auf das Schiff verübt zu haben. Die Ukraine hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Zunächst hatten libysche Behörden erklärt, der Tanker sei versenkt worden. Malta dementierte diese Angaben offiziell.
Gibt der bereits beschädigte Rumpf bei den aktuellen vier Meter hohen Wellen nach oder reißen die Tanks auf, droht eine Katastrophe: Das extrem kalte Flüssiggas (minus 162 Grad) würde schlagartig verdampfen und eine gewaltige Explosion auslösen. Dabei dehnt sich das Gas auf das bis zu 600-Fache aus, der Tank könnte wie eine riesige Bombe zerbersten. Im schlimmsten Fall mit verheerenden Folgen für Küstenorte und Häfen.
Experten warnen vor einer Druckwelle wie bei einem Erdbeben und einem Feuerball mit über 1.000 Grad. Wie verheerend so etwas ist, zeigte ein Unglück 1984 in Mexiko: Damals starben mehr als 500 Menschen, ganze Stadtteile wurden zerstört.