Nach russischen Angriffen auf die Ukraine ist im Nachbarland Rumänien eine Drohne abgestürzt. Zum ersten Mal hat so ein Vorfall in dem NATO-Land auch Sachschaden angerichtet. Das Verteidigungsministerium in Bukarest sprach am Samstag von einem "schwerwiegenden" Vorfall. Eine russische Drohne sei "unerlaubt in den rumänischen Luftraum eingedrungen" und habe "privates und öffentliches Eigentum beschädigt".
Die russischen Angriffe haben sich in der Nähe eines Grenzflusses, unweit der Stadt Tulcea, ereignet, teilte das Verteidigungsministerium in Rumänien zuvor mit. Auf dem Radar wurden "im rumänischen Luftraum operierende Drohnen" entdeckt.
Die rumänischen Einsatzkräfte meldeten, die Drohne "mit einer möglichen Sprengladung" sei in einem bewohnten Gebiet abgestürzt. Es gab zum Glück keine Verletzten. Allerdings wurden ein Strommast und ein Teil eines Gebäudes beschädigt.
Es sei der "erste Vorfall" dieser Art, erklärte der rumänische Präsident Nicosur Dan auf Facebook. Es handle sich um "eine Schwelle, die wir sehr ernst nehmen", ergänzte er.
Die Behörden ordneten die Evakuierung des betroffenen Gebiets an. Laut Außenministerium mussten 200 Menschen ihre Häuser verlassen. Außerdem wurde die Gasversorgung in dem Gebiet abgeschaltet. Die rumänische Außenministerin Oana Toiu bestellte den russischen Botschafter ein.
Laut Verteidigungsministerium in Rumänien sind in der Nacht auf Samstag zwei britische Eurofighter Typhoon vom Stützpunkt Borcea aufgestiegen. Das britische Verteidigungsministerium teilte der Nachrichtenagentur AFP aber mit, die für die NATO-Luftverteidigung eingesetzten Flieger seien wieder zur Basis zurückgekehrt, ohne gegen russische Ziele vorzugehen.
Ein Gesetz aus dem Vorjahr erlaubt in Rumänien den Abschuss von Drohnen, die in den Luftraum des Landes eindringen. Bis jetzt wurde davon aber kein Gebrauch gemacht.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 wurden immer wieder Drohnen im rumänischen Luftraum gesichtet und Trümmerteile von abgestürzten Drohnen auf rumänischem Boden gefunden. Rumänien und die Ukraine teilen sich eine rund 600 Kilometer lange Grenze. Sie ist Teil der NATO-Außengrenze.